Bäckereien benötigen neue Fachkräfte

Ebru Aydin aus Witten hat Freude an ihrer Ausbildung bei Löscher. Foto: Michael Korte
Ebru Aydin aus Witten hat Freude an ihrer Ausbildung bei Löscher. Foto: Michael Korte
Mit dem 1. August beginnt für viele junge Menschen mit Ausbildungsbeginn das Berufsleben. Doch manche Branchen klagen über einen Mangel an Bewerbern. Unter anderem haben Bäckereien mit Nachwuchssorgen zu kämpfen.

Witten. Wenn bei Ebru Aydin in der Frühe der Wecker schellt, schält sich die 25-Jährige gerne aus dem Bett. Das Bäckerhandwerk würde sich mehr solcher Azubis wünschen.

„Früh aufzustehen, macht mir nichts aus“, sagt die angehende Bäckerei-Fachverkäuferin. Der Frühaufsteherin kommen die Arbeitszeiten in ihrem dreijährigen Ausbildungsberuf entgegen. Das unterscheidet sie von einem Großteil potenzieller Azubis. Denn der Schichtbetrieb in einem Bäckereibetrieb, sowohl im Verkauf, als auch in der Backstube, hat offenbar eine abschreckende Wirkung auf viele junge Bewerber.

Lösung in letzter Minute

Holger Löscher von der gleichnamigen Großbäckerei aus Bochum hat in Witten bis zum letzten Moment nach neuen Auszubildenden für den Verkauf in den beiden Geschäften in der Ruhrstadt gesucht. Mit „Last-Minute“-Handzetteln wurde an der Ladentheke geworben. „Ganz kurzfristig hat es dann doch noch mit einer Bewerberin geklappt“, freut sich Löscher, der für die Filialen zuständig ist.

Die Suche nach geeigneten Bewerbern hatte sich zum wiederholten Male schwierig gestaltet. „Für viele ist der Beruf nicht interessant genug“, meint Holger Löscher. Einige junge Menschen störten sich am Arbeitsbeginn um 5 Uhr. Da wirke die Alternative, im Büro zu arbeiten, attraktiver. Um den Anreiz zu erhöhen, denkt der Filialist an eine Anhebung des Monatslohns. Bislang erhalten Azubis im ersten Lehrjahr 400 Euro. Pro Jahr werden es 100 Euro mehr.

Erschwerend kommt bei der Bewerbersuche hinzu, dass nicht jeder für den angestrebten Beruf geeignet ist. Löscher: „Die Qualität der Bewerbungen ist deutlich schlechter geworden.“ Von ähnlichen Erfahrungen berichtet Dietmar Schormann aus der Backstube. Der Bäckermeister konnte bis dato einen Ausbildungsplatz nicht besetzen. Bis Oktober können Interessierte noch einsteigen. Auch er war mit vielen Bewerbern unzufrieden. „Zu unserem Berufsfeld gehört heutzutage mehr“, sagt er. Ohne Kenntnisse in Mathematik, Biologie und Chemie backt man eben nur kleinere Brötchen.

Noch freie Ausbildungsplätze in der Bäckerei

Zwei freie Stellen in der Backstube hat „Backhaus“-Geschäftsführer Andreas Graßhoff anzubieten. Junge Menschen könnte er als künftige Konditoren oder Bäcker gebrauchen. Ansonsten hat der Geschäftsführer acht Azubis unter Vertrag genommen. Sie arbeiten künftig in den Bereichen Systemgastronomie, als Bürokauffrau und als Fachverkäufer. „Mit unseren Leuten sind wir sehr zufrieden“, so Graßhoff. Viele hätten gute Noten, manche sogar Abitur.

Auf dem gesamten Ausbildungsmarkt können derzeit noch 142 offene Stellen besetzt werden. 825 junge Wittener sind schon fündig geworden. Für sie beginnt mit dem 1. August das Berufsleben. Ebru Aydin gehört dann zu den Azubis mit Erfahrung. Das erste Jahr Ausbildung liegt nun hinter der 25-Jährigen. Bereut hat die Wittenerin ihre Entscheidung nicht.

Ob die angehende Bäckereiverkäuferin in ihrem Beruf bleibt, steht noch nicht fest. „Man kann sich nach der Ausbildung noch fortbilden.“ Ob Ernährungsberaterin oder Handelsassistentin – Aydin betrachtet die Ausbildung als Sprungbrett für ihre weitere Laufbahn. „Auf jeden Fall möchte ich später mal etwas machen, das mit Lebensmitteln zu tun hat.“ Es müssen ja nicht immer Brötchen sein.

 
 

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