„Ausgerechnet die SPD“

Bernd Kassner
Demonstration zum Erhalt der Stadtbücherei Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool
Demonstration zum Erhalt der Stadtbücherei Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool
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Witten. Für den Erhalt der Stadtbücherei an ihrem bisherigen Standort an der Ruhrstraße demonstrierten am gestrigen Abend rund 60 Bürger mit einem Protestmarsch vom Bibliotheksgebäude zum Rathaus.

Anschließend hatte das Johanniszentrum Räume zur Verfügung gestellt, um die Gründung des „Freundeskreises der Stadtbücherei“ zu ermöglichen.

„Witten ist eine Stadt, die mit schwindender Einwohnerzahl und sinkender Gewerbesteuer Schwierigkeiten hat“, ist sich Detlef Thierig (76) der finanziellen Nöte der Kommune bewusst. „Aber wenn eine Stadt nichts für die Kultur tut, dann verliert sie auch viel an Attraktivität.“ Trotz seiner starken Sehbehinderung nutzt er die Bibliothek etwa einmal pro Monat: „Ich habe zu Hause einen Scanner am Computer und bekomme die Bücher dann damit vorgelesen.“

Ist denn die Bücherei wirklich für Jugendliche so unattraktiv? Sandy Chikora (15) findet das nicht: „Ich habe eine Jahreskarte und leihe mir vor allem Klassiker aus. Wenn es die Bücherei nicht gäbe, müsste ich mir die ganzen Bücher ja kaufen.“ Das aber säße vom Taschengeld nicht drin. Mutter Bettina Chikora (43): „Das kann sich auch nicht jede Familie leisten - deshalb gehe ich bei dem Protestmarsch mit.“

Ratsherr Klaus Riepe (Bürgerforum) will seinen politischen Einfluss nutzen, um mit einem Antrag im Verwaltungsrat am kommenden Freitag das Verkaufsprojekt zu stoppen. Denn eine Verlagerung ins Märkische Museum bringe vor allem Gefahren für Kinder und ältere Nutzer mit sich, warnt Reinhold Spratte (68) auf der Kundgebung vor dem Rathaus: „Die Lage beeinflusst die Nutzung. Und das ist die verkehrsreichste Kreuzung der Innenstadt.“ Bernd Jaeger vom Gesprächskreis 50 plus kritisierte, „dieser Ausverkauf des Bürgereigentums geschieht gegen den Willen der Mehrheit der Bürger“.

Und Astrid Kastning (64), die als Lehrerin ganze Hauptschulklassen mit der Bücherei vertraut gemacht hat, sagt: „Für Kinder ist so eine Einrichtung ganz wichtig,. Ich kann nicht verstehen, dass ausgerechnet die SPD so was macht.“