Auch Wittens Miezen droht die Kastration

Ein streunender Kater, der auf den Dächern der Häusern an der Ardeystraße lebt.
Ein streunender Kater, der auf den Dächern der Häusern an der Ardeystraße lebt.
Foto: Fischer
Immer mehr Kommunen wollen Herrchen und Frauchen verpflichten, ihre Katzen kastrieren zu lassen. Dabei ist in Witten die Zahl der Streuner überschaubar.

Witten..  In immer mehr Kommunen in NRW wird eine behördliche Kastrationspflicht für Katzen diskutiert. Die meisten Stubentiger sind zwar medizinisch behandelt, doch vermehren sich freilaufende Streuner massiv. Auch im EN-Kreistag soll nach der Sommerpause geklärt werden, ob es „Bedarf für eine Verordnung zum Schutz freilebender Katzen gibt“ – so der Antrag der Fraktion Freie Wähler Ennepe-Ruhr/Piratenpartei. In Witten zumindest machen streunende Mini-Tiger wenig Probleme.

Die hiesige Praxis ist die, dass Bürger verwilderte Katzen den drei Wittener Tierschutzvereinen melden. Die Mitglieder fangen die Tiere ein – meist mit einer Falle, denn die Straßenkatzen lassen sich nicht ohne Weiteres anfassen. Laut Iris Drögehorn, Vorsitzende des für Fundtiere zuständigen Vereins „Arche Noah“, werden die Katzen dann vom Tierarzt kastriert. Sie bekommen auch eine Tätowierung ins Ohr und werden anschließend wieder frei gelassen. Die Tierarztkosten teilen sich die drei Vereine, finanzieren sie durch Spenden und Mitgliedsbeiträge. Ohne diese Aktion, die es so seit einigen Jahren in Witten gibt, „würde die Zahl der verwilderten Katzen explodieren“, sagt Tierfreundin Iris Drögehorn.

In der Tierarztpraxis Dr. Jochen Schulze Lammert werden im Auftrag der „Arche Noah“ Katzen kastriert. „Zwei bis drei“ Streuner, so Tierarzthelferin Miriam Hiltmann, werden pro Monat gebracht. „Die Zahl der Straßenkatzen ist in den letzten Jahren gleichgeblieben und nicht auffällig hoch“, sagt die 33-Jährige. Dass liege daran, dass Stadt, Vereine, Tierärzte in Witten gut zusammenarbeiten. „Sobald ein Tier gefunden wird, werden wir tätig.“

Dass trotzdem immer wieder Streunerkatzen mit Babys gefunden werden, liege nach Iris Drögehorn daran, dass Katzenbesitzer die hohen Kosten einer Kastration scheuen – ihre Miezen aber dennoch frei laufen lassen. „Am schlimmsten ist es bei Katern“, so Drögehorn. „Die gehen einmal längs und haben ruckzuck zehn Kätzinnen gedeckt.“

So werden Fälle bekannt, wie 2015, als Tierschützerin Angela Stübing gleich 20 wilde Katzen auf dem Gelände der Firma Pilkington am Crengeldanz einfangen musste. Acht Jungtiere konnte man vermitteln, zwölf ausgewachsene Katzen wurden nach ihrer Behandlung auf dem Gelände wieder ausgesetzt.

Das Unfruchtbarmachen kostet bei den Wittener Tierärzten unterschiedlich viel, für eine Katze etwa 120 Euro, Kater sind billiger. „Die Leute sind häufig einsichtig, aber es fehlt allein das Geld“, sagt Drögehorn. Darum geben die Vereine in den ersten vier Monaten eines Jahres (vom 1. Januar bis 30. April) Gutscheine für eine kostenlose Kastration aus. Wie sie genutzt werden, kann Drögehorn nicht sagen – die Gutschein werden anonym bei der Essensausgabe der Tafel verteilt.

Ohne Eingriff droht hohes Bußgeld

Andere Städte „zwingen“ Katzenbesitzer bereits, ihre Haustiere kastrieren zu lassen. In Bonn werden seit 2012 alle Freigängerkatzen behandelt, mit einem Mikrochip gekennzeichnet, registriert. Halter, die dieser Pflicht nicht nachkommen, drohen bis zu 1000 Euro Geldbuße.

Auch die Kreisverwaltung des EN-Kreises prüft zurzeit zusammen mit Tierschutzorganisationen, Tierärzten und den kreisangehörigen Städten die aktuelle Katzenlage. Über die gewonnenen Erkenntnisse werden die Kreispolitiker in der ersten Sitzung des Kreisausschusses nach der Sommerpause unterrichtet. Dann wird auch geklärt werden, ob auf die Wittener Katzen eine Kastrationspflicht zukommt – oder nicht.

 
 

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