Atelierbesuch beim Wittener Künstler Christoph Mandera

Christoph Materna in seinem Atelier im Dachgeschoss seines Wohnhauses an der Oberstraße.
Christoph Materna in seinem Atelier im Dachgeschoss seines Wohnhauses an der Oberstraße.
Foto: WAZ FotoPool
Als „Urban Street Art“ bezeichnet Künstler Christoph Mandera seine Werke. Verglichen wird er oft mit Keith Haring. Doch statt auf der Straße fand der Wahlwittener seine Inspiration in der Kirche.

Witten.  Christoph Mandera liebt es farbenfroh. An fast jeder Wand in seinem schmalen Reihenhaus, in einem Hinterhof an der Oberstraße, hat der Künstler seine eigenen Werke hängen. Ineinander verschnörkelt bilden die Farbflächen zahlreiche Motive, die oft erst bei genauerem Hinsehen zu erkennen sind. Im Treppenflur treffen die expressiven, poppigen Bilder auf Tapeten mit Raubkatzen-Fell-Print. Weiße Wände? Weiße Flächen auf Leinwänden? Fehlanzeige. Strahlende Reinheit oder unbefleckte Unschuld ist auf seinen Werken nicht zu erkennen – so optimistisch sie auf den ersten Blick auch wirken.

Nähe zur US-amerikanischen Pop-Art

„Urban Street Art“, so bezeichnet der 59-Jährige selbst seine Arbeiten. Flächigkeit, Farbigkeit und die Abstraktion der Figuren erinnern zunächst an die bekannten Bilder des US-amerikanischen Künstlers Keith Haring. Nun, früher hätte ihn dieser Vergleich schon etwas verärgert, gibt Christoph Mandera zu. Heute tut er solche Fragen als Kompliment ab. Er wisse, dass Betrachter dazu neigen, Parallelen zu Bekanntem zu suchen. „Was das Motivische angeht, hat meine Arbeit schon eine Nähe zur plakativen Kunst und zur Pop-Art“, räumt er ein. Zu seinen Fans gehörten mitunter schließlich auch jene, „die lieber ein Original von mir haben wollten, als nur einen Kunstdruck von Keith Haring“.

Dennoch unterscheiden sich Christoph Manderas Arbeiten ganz grundlegend von der des US-Künstlers. Während der verstorbene Star der Pop-Art seine Inspiration einst tatsächlich in der Graffitiszene und Straßenkunst der 70er und 80er-Jahre fand, ist Christoph Mandera von seinem streng katholischen Elternhaus geprägt, beteuert, dass er „nie eine Sprühdose in der Hand“ hatte. Als „Kind des Ruhrgebiets“ wuchs er in Castrop-Rauxel auf. Der sonntägliche Kirchgang war Pflicht. „Als Kind habe ich immer die großen Fenster bestaunt.“ Leuchtende bunte Glasstücke, eingefasst in Blei. Rückblickend betrachtet, könne das die Anregung für seine mit schwarzen Linien umrandeten Farbflächen gewesen sein, so der 59-Jährige.

Witten ist seine Wahlheimat. Zunächst wohnte Christoph Mandera in Bommern, mittlerweile lebt er mit seiner Frau seit einigen Jahren schon in der Innenstadt. Im zweiten Obergeschoss seines Hauses hat er sich ein Atelier und Arbeitszimmer eingerichtet. Dort verbringt er jede freie Minute am Abend und am Wochenende – so viel, wie sein Beruf es zulässt. Von der Kunst allein – so professionell der Autodidakt sie auch betreiben möchte – könne er nicht leben.

Während er bei der Arbeit im Bochumer Kulturbüro andere Kunstprojekte organisiert und betreut, reflektiert er in seinen eigenen Werken private Erfahrungen, Gesellschaftliches, Alltägliches, Zwischenmenschliches. 40 bis 50 Stunden arbeitet er an Großformaten. Je nach Material müssen manche Flächen mehrfach nachgemalt werden bis die Farbe deckt. Neben Leinwänden nutzt Mandera auch Stoffe sowie große Holzfaserplatten, aus denen er seine Figuren als Wandobjekte mit einer Stichsäge herauslöst.

Tod wird nie zum Motiv

Die Themenfelder sind weit: von Pilgerreisen, über die Liebe bis hin zur Oper. Nur der Tod kommt nicht vor („Der kommt eh von selbst.“), genauso wie Weiß („Kein Mensch ist unschuldig.“). Dafür ist die menschliche Existenz, wie Mandera sie darstellt, äußerst lebhaft und von eigenwilligen Dynamiken gezeichnet. In seinen Bildern verschwimmen Vorder- und Hintergrund. Immer wieder tauchen die für den Maler charakteristischen Symbole auf: Augen, Münder, Herzen, aber auch stilisierte Narben und eine grüne Schlange, die den Eindruck des vermeintlich Paradiesischen wieder relativieren. „Es gibt krasse Gegensätze – aber am Ende geht alles gut aus.“

 
 

EURE FAVORITEN