Als die Industrie die Ruhr-Landschaft veränderte

Der Verein der „Freunde und Förderer des Märkischen Museums Witten“ hat im Kunsthandel eine historische Ansicht Wittens erwerben können und sie dem Museum für dessen heimatkundliche Sammlung geschenkt.

Wer sich für dieses kleine, höchst aufschlussreiche Dokument der Heimatgeschichte interessiert, kann die Radierung derzeit auf der Empfangstheke des Märkischen Museums besichtigen. Eine Lupe liegt für all jene bereit, die jedes Detail des Bildes genau studieren möchten. Geöffnet ist das Museum an der Husemannstraße dienstags bis sonntags von zwölf bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Damm der neuen Eisenbahn

Die kleine, zart aquarellierte Radierung mit den Maßen 10 x 15 Zentimeter, ist wohl Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden, zeigt aber in Rekonstruktion die durch die Industrialisierung sich verändernde Ruhr-Landschaft um 1854. Dabei folgt sie im Aufbau den Landschaftsdarstellungen des frühen 19. Jahrhunderts: Von einem erhöhten Standpunkt aus - in diesem Fall vom Ufer in Bommern - weitet sich vor dem Betrachter ein Panorama, wobei der Vordergrund verschattet bleibt und der Mittelgrund hell erleuchtet wird. Ein Weg schlängelt sich von vorne in die Bildmitte hinein. Dabei ist zu erkennen, wie die Bauern aus Bommern wie eh und je auf den Ruhrwiesen ihr Heu wenden. Jenseits der Ruhr entwickelt sich in der Flussaue, die vom linken bis zum rechten Bildrand jäh durch den Damm der neuen Eisenbahn und eine aquäduktartige Nebenlinie durchschnitten wird, zunehmend eine Industrielandschaft, bis hin zum auf einer hochwassersicheren Trasse gelegenen Dorf Witten. Dessen Zentrum ist leicht am Turm der alten Johanniskirche auszumachen und nun vom Fluß abgeschnitten.

Fabriken mit Schornsteinen

Vor dem Damm liegt deutlich sichtbar das alte Mühlenviertel. Dahinter, durch hohe Bäume verdeckt und nur am mächtigen Dach erkennbar, findet sich der alte Herrensitz Haus Witten. Landschaftsbestimmend aber sind längst die verstreuten Gebäude kleiner Fabriken mit ihren qualmenden Schornsteinen, die zum Teil auch heute noch erhalten sind. Und zwar hinter dem ehemaligen Teppichland und den Ruhrtal-Kegelbahnen.

 
 

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