AHE will Bürger an der eigenen Nase packen

In der Umladestation der AHE im Bebbelsdorf wird Biomüll aus den Hauhalten zwischengelagert.
In der Umladestation der AHE im Bebbelsdorf wird Biomüll aus den Hauhalten zwischengelagert.
Foto: Haenisch / waz fotopool
Entsorgungsunternehmen will Fehlwürfe verringern. Ein Drittel des Biomülls landet heute noch in der Restmülltonne. In der neue Biogasanlage ist Biomüll aber „Rohstoff“ für die Stromerzeugung.

Witten..  Auf Spekulationen zu Geruchsbelästigungen durch die neue Biogasanlage am Bebbelsdorf reagiert AHE-Niederlassungsleiter Johannes Einig (29) inzwischen empfindlich. Weil sie aus seiner Sicht völlig haltlos sind. Er kontert mit Argumenten und einem Versprechen an die Anwohner. Die AHE, eine Tochter von AVU und Remondis, stellte am Donnerstag außerdem eine kompostierbare Biomülltüte vor.

Das Versprechen

„Weil die Anlage komplett eingehaust sein wird, ist es völlig unmöglich, dass Geruchsbelästigungen entstehen“, so Einig. Wenn die Arbeiten weiter gut fortschreiten, geht die AHE davon aus, dass die Vergärungsanlage in diesem Jahr nicht nur den Probebetrieb, sondern auch den Regelbetrieb aufnehmen kann. Einig kündigte gestern an, er werde die Anwohner dann einladen, „sich so nah wie möglich an den Biofilter zu stellen. Und dort wird nur schönster Mutterbodengeruch wahrzunehmen sein.“

Weniger Transporte

Außerdem verbessere sich die Lage für die Anwohner der Umladestation. Dort wird der Biomüll , den die Müllfahrzeuge aus Witten und anderen Kreisstädten anfahren (eine zweite Umladestation gibt es in Gevelsberg), heute offen zwischengelagert. Großtransporter, so genannte Schubböden, die das Fünffache fassen, transportieren sie von dort aus weiter: bis vor zwei Monaten zur Kompostierungsanlage Lünen, seit Anfang Juli zu einer Vergärungsanlage samt Verstromung im Münsterland. Diese Ferntransporte entfallen in Zukunft komplett.

Kein Biomüll-Tourismus

Etwa 20 000 Tonnen Biomüll werden im EN-Kreis pro Jahr gesammelt. Das Potenzial ist aber nach Einschätzung der AHE größer – und auch für einen künftigen Zuwachs ist die Biogasanlage ausgelegt. Nicht geplant sind laut Johannes Einig hingegen Biomüll-Importe aus Gebieten außerhalb des EN-Kreises. Dafür sei die Anlage nicht konzipiert. Außerdem würden sich solche Transporte nicht rechnen. Von einem Mehraufkommen im EN-Kreis würden sowohl AHE als auch die Bürger profitieren. Die Anlage erzeugt ja Produkte: Biogas für das angegliederte Blockheizkraftwerk (Strom für 2000 Haushalte), Flüssigdünger für die Landwirtschaft und (kostenlosen) Kompost für heimische Gärten.

Hinzu kommt, dass Biomüll für den Bürger auch billiger ist als Haushaltsmüll: Um zwei Drittel teuer kommt die aktuelle Verbrennung des Restmülls in der Müllverwertungsanlage Wuppertal laut AHE den Verbraucher aus dem EN-Kreis zu stehen als die künftige Verwertung von Biomüll im Bebbelsdorf. Sinkende Müllgebühren verspricht die AHE deshalb allerdings noch lange nicht. Johannes Einig: „Aber der Bürger kann sich an der eigenen Nase packen und sich eine konstante Gebühr sichern.“

Fehlwürfe

70 Kilogramm Biomüll pro Kopf und Jahr sammelt die AHE zur Zeit im EN-Kreis ein. Doch nach ihrer Beobachtung landen zusätzliche 35 Kilogramm Biomüll pro Einwohner und Jahr in der Restmülltonne, obwohl sie da nicht hingehören. Ein ganzes Drittel „Fehlwürfe“ also. Karina Birka, Abfallberaterin beim Ennepe-Ruhr-Kreis, kann ein Lied davon singen: 500 Kilogramm Restmüll aus jeder Stadt im EN-Kreis hat sie mit einer Kollegin in einer Halle „händisch sortiert“. Eigentlich wollten die beiden den Restmüll auf Wertstoffe sondieren. Dabei fiel ihnen aber als Erstes „der ganze Teppich aus Biomüll“ ins Auge, „Kaffeereste, Wurstreste, Apfelkitschen, Bananenschalen und sonstiges Organisches.“ Und der Kompostier-Experte, der zufällig einen Blick in die Halle warf, sagte: „Das ist genau das, was meine Bakterien als Prozessbeschleuniger brauchen!“

Die Wundertüte

Mit neuen Biomülltüten aus kompostierbarem Kunststoff will die AHE den Bürgern jetzt das Sammeln von Biomüll erleichtern. Das gestern vorgestellte High-Tech-Material ist luftdurchlässig, so dass unangenehme Gerüche und Ungezieferbefall vermieden werden. Die Tüten weichen aber im Gegensatz zu Papier nicht durch. „Sie sind nass- und reißfest und haben einen organischen Anteil von mehr als 50 Prozent“, so Karina Birka. Im Gegensatz zu Biomülltüten, die bisher schon auf dem Markt waren, löst sich das weiter entwickelte Produkt lauf AHE schneller auf. „In unserer neuen Vergärungsanlage haben sie sich in 28 Tagen zersetzt“, so Johannes Einig. Die Tüten sind laut Karina Birka jedenfalls bestens geeignet, um darin die „Ih-Bäh-Fraktion“ des Küchenmülls zu sammeln.

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