19 neue Stolpersteine in Witten verlegt

Für Christian Bliemetsrieder verlegte Künstler Gunter Demnig einen Stolperstein an der Körnerstraße 25. Bliemetsrieders Tochter Sonja Maier (links sitzend) verfolgte ergriffen die Aktion.  Foto: Walter Fischer / WAZ FotoPool
Für Christian Bliemetsrieder verlegte Künstler Gunter Demnig einen Stolperstein an der Körnerstraße 25. Bliemetsrieders Tochter Sonja Maier (links sitzend) verfolgte ergriffen die Aktion. Foto: Walter Fischer / WAZ FotoPool
Foto: Fischer / WAZ FotoPool
19 neue Stolpersteine erinnern jetzt an Wittener Opfer des Nazi-Terrors. 70 Bürger nahmen an der Gedenk-Aktion teil.

Witten.. „Vater hat mit uns Kindern nicht über die erlittene Folter gesprochen, nur mit meiner Mutter“, erinnert sich Sonja Maier, Tochter von Christian Bliemetsrieder. Die 83-Jährige weint, als Künstler Gunter Demnig einen Stolperstein für ihren Vater vor dem Haus Körnerstraße 25 in den Gehweg einsetzt.

Bliemetsrieder, KPD-Mitglied und als politischer Gegner ganz oben auf der Liste der Nazis, wurde damals im sogenannten Tränenkeller derart stark misshandelt, dass er erblindete und wenige Jahre später an den Folgen der Quälereien starb. Als eine „Art Wiedergutmachung“ sieht Tochter Sonja den jetzt verlegten Stolperstein an.

Es ist einer von insgesamt 19, die Künstler Gunter Demnig am Mittwochnachmittag auf Initiative des Friedensforums, des Lions Club Rebecca Hanf und des Vereins „Rosa Strippe“ an acht Orten im Stadtgebiet verlegt hat. Die schimmernden Messingplatten erinnern an Opfer des Nazi-Terrors - an jüdische Mitbürger wie die Familien Schacher, Marx oder Smulowicz ebenso wie an politische Gegner wie Adolf Fuchs, Friedrich Wilhelm Espenhahn oder Bliemetsrieder. Stolpersteine verlegt wurden außerdem für Siegmund Mühlhaus, der desertierte, weil er nicht töten wollte und dafür hingerichtet wurde, und für den Homosexuellen Wilhelm Erdmann, der von den Nazis zu Tode geschunden wurde.

Bei der Stolperstein-Aktion folgten jetzt rund 70 Teilnehmer dem Künstler Demnig vom ersten Verlegungsort, der Ecke Siegfried-/Steinbachstraße, wo künftig an Mühlhaus erinnert wird, quer durch das Stadtgebiet - u. a. durch die Ardey-, Johannis- und Körnerstraße, wo auch solche Steine verlegt wurden - bis zur Franziskus-Kirche, wo eine Messingplatte nun an den damaligen Küster Espenhahn erinnert.

Schüler trugen Biografien vor

Mal öffnete Demnig den Asphalt mit der Flex und dem elektrischen Bohrhammer, um die pflastersteingroßen Stolpersteine dort einzulassen. Mal hob er Gehwegplatten ab und hieb mit dem Hammer kräftig auf den Meißel, um die entsprechenden Löcher im Untergrund zu schaffen, in die er dann die Erinnerungssteine einsetzte. Anschließend legten Teilnehmer der Aktion weiße oder gelbe Rosen nieder, Schüler des Martmöller-Gymnasiums und der Holzkamp-Gesamtschule lasen Kurzbiografien der Nazi-Opfer vor, derer mit diesen Stolpersteinen gedacht wird.

Schon in 18 europäischen Ländern war Demnig mit seinem Projekt tätig. Und Bürgermeisterin Sonja Leidemann wies bei der gestrigen Aktion darauf hin, dass bald der insgesamt 50 000. Stolperstein verlegt werde und man hier stolz sei, Teil der Initiative sein zu können.

Jener 50 000. Stein werde im Januar in Turin verlegt, erzählte Demnig später. Am 2. März wird er voraussichtlich wieder in Witten sein, um in Herbede weitere Stolpersteine zu verlegen.

 
 

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