Die Stadt sucht händeringend neue Pflegefamilien. 167 Kinder aus schwierigen Verhältnissen leben derzeit bei Mamas und Papas, die nicht ihre eigenen sind, die ihnen aber Zuneigung und Halt geben

Die Stadt sucht händeringend neue Pflegefamilien. 167 Kinder aus schwierigen Verhältnissen leben derzeit bei Mamas und Papas, die nicht ihre eigenen sind, die ihnen aber Zuneigung und Halt geben. Ohne diese Ersatzfamilien hätten sie ins Heim gemusst.

113 Familien haben sie aufgenommen – zum Teil nur für einige Tage, manchmal aber auch für viele Jahre. „Das ist für viele Kinder eine sehr wertvolle Alternative zur Heimunterbringung“, weiß Gisela Klotz, bei der Stadt zuständig für Adoptionen und den Pflegekinderdienst. „Denn so können sie Familie auch einmal positiv erleben.“ Kinder aus ihren Familien zu holen, sei der letzte Schritt. Vorher bekämen die Eltern verschiedenste Hilfsangebote. Doch wenn das Kind in Gefahr sei, müsse das Jugendamt handeln. Und das sei 2012 deutlich häufiger passiert als früher, so Klotz.

Führungszeugnis wird verlangt

Zum Wohle der Kinder, die manchmal schon Schlimmes erleben mussten, werden die Familien ganz genau unter die Lupe genommen. Die Ersatzeltern sollten nicht zu alt sein und Platz für ein neues Familienmitglied haben. Verlangt werde auch ein erweitertes Führungszeugnis, so die Expertin.

Noch viel wichtiger sei aber die Bereitschaft, mit dem Jugendamt zusammenzuarbeiten und die eigene Familie zu öffnen. „Viele dieser Kinder haben Bindungsdefizite. Da ist es besonders in der ersten Zeit wichtig, dass sich die Eltern die Zeit nehmen, damit das Kind ankommen kann“, erklärt die Expertin.

Wer sich darauf einlasse, müsse auch damit leben können, dass die Kinder irgendwann die Familie wieder verlassen – wenn die leiblichen Eltern ihre Probleme wieder in den Griff bekommen haben. Manchmal komme es aber auch zu einer Adoption. Und dann hätten die neuen Eltern dieselben Rechte und Pflichten wie leibliche, erklärt Gisela Klotz.

Häufig seien Adoptionen nicht. Drei bis vier seien es in den letzten zwei Jahren gewesen. Hinzu kämen drei Paare, die Kinder mit Hilfe von Organisationen aus dem Ausland adoptieren wollen. Die Zahl sinke wie in ganz Deutschland. Vielleicht liege es an den schrumpfenden Geburtenzahlen, so Gisela Klotz, vielleicht auch an den zunehmenden künstlichen Befruchtungen, mit denen sich Eltern doch noch ihren Kinderwunsch erfüllen könnten. Wer sich doch für eine Adoption entscheide, warte im Schnitt drei Jahre auf ein Kind – klassischerweise ein Baby. Sie erinnere sich nur einen Fall, bei dem eine Mama ihr bereits achtmonatiges Kleinkind trotz aller Unterstützungsangebote zur Adoption freigegeben habe.

 
 

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