Zentrale Lagen stärken

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Die Einwohnerzahl geht zurück, die Menschen werden älter. Wattenscheid registriert eher Ab- als Zuwanderung. Grund für die Verwaltung, den im Jahr 2006 vom Rat der Stadt Bochum beschlossenen „Masterplan Einzelhandel“ aktuell auf den Prüfstand zu stellen. Dieser Masterplan gilt für die Gesamtstadt, wirkt sich aber durchaus auch konkret auf das größte „Hauptnebenzentrum“ Wattenscheid aus. Die WAZ sprach darüber mit Jens Hendrix, Abteilungsleiter Stadtentwicklung.

Das Problem: In Bochum insgesamt, aber eben auch in Wattenscheid, gibt es viele Verkaufsflächen außerhalb der Zentren. Deshalb werde ein Konzentrationsprozess angestrebt, um die Kaufkraft in die Zentren zu holen. Bisher weist die Gesamtstadt über 40 sogenannte Versorgungszentren auf, die auch als solche ausgewiesen sind. Doch, so Hendrix, „kann ein Versorgungszentrum nicht eine Straße sein, an der sich drei Kioske befinden, sich auf ein paar Metern ballen und dann eine Laufleere von über 100 Metern besteht“, bringt der Stadtentwickler es anschaulich auf den Punkt. Um nun eine in sich geschlossene Lauflage, eine in sich schlüssige Abgrenzung hinzubekommen, „muss die Anzahl der Zentren reduziert werden.“

Im Klartext: Die Anzahl der Zentren in der Gesamtstadt wird von 41 auf 28 reduziert. Zu den 13 Zentren, die aus dem bisherigen Plan gestrichen werden sollen, gehören Leithe und Heide/Bochumer Straße. Hendrix: „Der Masterplan plant nichts weg. Die Geschäfte, die jetzt angesiedelt sind, haben auch in Zukunft Bestandsschutz. Doch eventuellen Neuansiedlungen würde die Stadt, falls der Masterplan voraussichtlich im Sommer 2012 durch den Rat der Stadt abgesegnet wird, einen Riegel vorschieben. Also keine Neuansiedlungen auf der grünen Wiese. Ausnahmen könnte es für „nicht zentrumsrelevante Sortimente“ geben, womit laut Hendrix etwa „Torfsäcke oder Möbel“ gemeint seien. Der Stadtentwickler: „In den vergangenen Jahren gab es allerdings hier auch keine Investorenanfragen auf entsprechende Neuansiedlungen.“

Als Nahversorgungszentren erhalten bleiben sollen die Ortsteile Günnigfeld, Höntrop und Eppendorf. Günnigfeld präsentiere sich zwar lückenhaft, es gebe Leerstände, doch sei die Nahversorgung gut gesichert. Aldi sei vom alten Standort aus mitten auf die Günnigfelder Straße gezogen. Für das ehemalige Aldi-Ladenlokal, etwas abseits, eher am Anfang der Günnigfelder Straße gelegen, gebe es, so Hendrix, einen Interessenten mit Lebensmittelsortiment. Höntrop als Nahversorger erfülle seine Funktion, sei aber auch noch optimierungsbedürftig. Hier könnten die Verkaufsflächen größer sein. Eppendorf hingegen könne seine Versorgungsfunktion „gut erfüllen“. Hendrix: „Das kann so bleiben.“

Es gelte, das Hauptnebenzentrum „Wattenscheid-Mitte“ zu stärken. Deshalb werde die Einzelhandelsfläche von außen zur Mitte hin „eingedampft“. Hendrix: „Es ist beabsichtigt, die Entwicklung auf die zentrale Lauflage zu konzentrieren.“ Wattenscheid-Mitte habe aber „gute Entwicklungspotenziale“. Hendrix spricht den Standort der ehemaligen Hauptschule an der Voedestraße an. Schon bei der Herbstbegehung mit Stadtbaurat Dr. Ernst Kratzsch kam der Standort zur Sprache. Die Verwaltung ziehe in Erwägung, die Schule abzureißen und das Gelände für einen entsprechenden Neubau freizugeben. Bisher gebe es allerdings noch keine Anfragen von Investoren auf den Standort Voedestraße.

Zur Unterstadt hin sei mit dem Gertrudiscenter ein „guter Anker“ geschaffen worden. Auch hier seien weitere Verdichtungen denkbar.

Der gesamte „Masterplan Einzelhandel“ soll ab Anfang Januar im Bochumer Rathaus und bei der IHK Bochum für jeden Bürger einsehbar öffentlich ausgelegt werden. Ein Auslegungsstandort in Wattenscheid ist nicht vorgesehen. Am 18. Januar lädt die Verwaltung zu einer öffentlichen Veranstaltung ins Museum Bochum ein. Hier wird der Plan vorgestellt und erörtert. Die Stadtentwickler stehen dann den Bürgern Rede und Antwort.