„Wir bitten zu Tisch“

Ralf Drews
Förderer und Helfer beim Familientisch in Günnigfeld
Förderer und Helfer beim Familientisch in Günnigfeld
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool

Wattenscheid.  „Donnerstags gibt’s für mich zur Mittagszeit nur ein Ziel: der Günnigfelder Familientisch“, sagt Gerd. Der 55-Jährige sitzt gemeinsam mit anderen Gästen am runden Holztisch, unterhält sich angeregt und freut sich über die leckere Mahlzeit. Die kostet keinen Cent. Ehrenamtliche Helfer/innen und viele Förderer sorgen dafür, dass sich das Projekt, Mitte April gestartet, zur Erfolgsstory entwickelt hat.

Der Familientisch, jeden Donnerstag von 12.30 bis 15 Uhr in der Bauernstube des Wichernhauses an der Parkallee, ist ein geselliger Treffpunkt. Kinder kommen nach der Schule zum Mittagessen herein, einige bleiben anschließend gleich in der Hausaufgabenbetreuung. Senioren sitzen am Tisch, genießen die gute Mahlzeit, reden über das Neuste aus Günnigfeld. Auch Familien schauen herein.

Viele sind Stammgäste, treffen sich dort einmal die Woche. Aber auch neue Gesichter sind zu sehen. Auf dem Eingangsschild steht das Motto: „Jung und Alt, Groß und Klein, hier darf jeder rein. Wir bitten zu Tisch“. Bis zu 40 Besucher zählt die Runde.

Für alle Altersgruppen

„Das Angebot richtet sich an alle Altersgruppen, an alle Bürger“, erklären die Pastoren Christian Meier (evangelische Gemeinde) und Elmar Linzner (katholische Gemeinde Herz Mariä). Beide Kirchen ziehen an einem Strang, unterstützen gemeinsam das Projekt, eine konfessionsübergreifende Initiative. Gelebte Ökumene.

„Ohne die ehrenamtlichen Mitstreiter wäre das gar nicht möglich gewesen“, bedanken sie sich. Die Helfer stammen aus ganz unterschiedlichen Organisationen, das reicht von der Diakonie über die Caritas, die Wattenscheider Tafel, das Ambulante Hilfezentrum bis zu den Vereinen „Helfende Hände“ und „Together in Peace“.

Dass in Günnigfeld Bedarf für so ein Projekt besteht, hatte die Sozialraumkonferenz für den Stadtteil erkannt. „Hier musste was passieren“, sagt deren Leiter, Boris Glitzner (Jugendamt der Stadt Bochum). „Familien und Alleinstehende sollen wissen, dass sie hier eine verlässliche Anlaufstelle haben und bei Bedarf auch weitere Hilfen bereit stehen.“

Die Nahrungsmittel liefert die Wattenscheider Tafel, spontan hatte Manfred Baasner seine Unterstützung zugesagt. Elf ehrenamtliche Helfer/innen sorgen dafür, dass aus den Zutaten leckere Mahlzeiten werden – mit Suppe, Salat, Hauptgang und Nachtisch. Ein Essen, das nicht nur satt machen, sondern auch gesund sein soll. „Manchmal müssen wir feststellen, dass Kinder einige Obst- und Gemüsesorten gar nicht kennen“, sagt Dagmar Steinmann.

Aus dem gemeinsamen Essen entwickeln sich Gespräche, Kontakte, sogar gegenseitige Hilfsangebote. Quer durch alle Altersgruppen. Mehrere Senioren sitzen nach dem Essen weiter zusammen, treffen sich zur geselligen Spiele-Runde.

Kontakte und Gespräche

Eine kleine Tauschbörse für Bücher ist im Vorraum entstanden. Einige Kinder aus den Klassen eins bis sechs bleiben anschließend in der Hausaufgabenbetreuung, die das Ambulante Hilfezentrum Wattenscheid ab 14 Uhr anbietet.