Wie Sterbebegleiter in Wattenscheid letzte Wünsche erfüllen

Anke Schulze-Najda (47) und Marianne Ramming (59) engagieren sich ehrenamtlich als Sterbebegleiterinnen für den Hospizverein Wattenscheid. Foto: Ingo Otto
Anke Schulze-Najda (47) und Marianne Ramming (59) engagieren sich ehrenamtlich als Sterbebegleiterinnen für den Hospizverein Wattenscheid. Foto: Ingo Otto
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Marianne Ramming (59) und Anke Schulz-Najda (47) engagieren sich ehrenamtlich als Sterbebegleiterinnen für den Hospizverein Wattenscheid. Sie begleiten kranke Menschen bis zum Tod und versuchen, ihnen die letzten Wünsche zu erfüllen.

Wattenscheid.. Wenn ein Kind geboren wird, kümmern sich viele: Ärzte, Hebammen, Pflegepersonal. Doch was ist, wenn ein Mensch stirbt? „Am Ende seines Lebens möchte man doch auch so liebevoll begleitet werden“, findet Marianne Ramming. Um einen Teil dazu beizutragen, engagiert sich die 59-Jährige beim Hospizverein – als Sterbebegleiterin.

Über eine Freundin, die sich in der Hospizarbeit engagiert, ist Marianne Ramming an ihr Ehrenamt gekommen. „Sie hat so begeistert davon erzählt, dass es mich fasziniert hat. Ich habe gedacht, da ist eine Möglichkeit, anderen Menschen in ihren letzten Stunden etwas Gutes zu tun.“ Kurz darauf las sie in der Zeitung über einen Befähigungskurs für Sterbebegleiter des Hospizvereins und nahm Kontakt mit Koordinatorin Christel Müller-Ovelhey auf.

"Der Sterbende gibt den Ton an"

„Sie hat mir erzählt, was Sterbebegleitung bedeutet – da ist mir doch ein bisschen schwerer geworden“, erinnert sich Marianne Ramming. Dennoch habe sie gedacht: „Das ist etwas, das zu mir passt. Ich wünsche mir, dass Sterbende glücklich von dieser Welt gehen. Dass viele einsam sterben, finde ich furchtbar.“

Nach dem Befähigungskurs macht Marianne Ramming zurzeit ihre erste Begleitung bei einer 90-Jährigen, die im Altenheim lebt. „Wir haben ein sehr schönes Miteinander“, erzählt sie. „Ich reagiere auf ihre versteckten Wünsche – wenn ich direkt fragen würde, würde sie nichts sagen.“ Sensibel zuzuhören sei wichtig: „Der Sterbende gibt den Ton an, nicht der Begleiter.“ Man solle den Sterbenden ja begleiten, nicht vorneweg laufen. Gemeinsam mit der alten Dame habe sie vor kurzem Volkslieder gesungen. „Das hat sie richtig froh gemacht.“

"Geistig extrem fit"

Neu im Team der Sterbebegleiter des Hospizvereins ist auch Anke Schulz-Najda. Nachdem ihre Kinder aus dem Gröbsten raus waren, hat die 47-Jährige eine ehrenamtliche Tätigkeit gesucht. „Aber nicht ich habe das Ehrenamt ausgesucht, sondern das Ehrenamt hat mich ausgesucht“, sagt sie. Sie habe nie einen Bezug zur Hospizarbeit gehabt, sei aber neugierig geworden, nachdem jemand aus ihrem Bekanntenkreis im Hospiz gestorben war. „Später habe ich was darüber in der Zeitung gelesen.“

Während des Befähigungskurses, erzählt Anke Schulz-Najda, habe es sie vor allem fasziniert, „welche Facetten Altern, Sterben und Tod haben können“. Seit 32 Wochen begleitet die Wattenscheiderin nun einen 72-Jährigen, der im Altenheim lebt. „Er ist geistig extrem fit“, erzählt sie, „hat aber kaum Angehörige und hätte ohne uns diese 32 Wochen vermutlich vorm Fernseher verbracht.“

Große Trauer

Mittlerweile warte der begeisterte Fußballfan und Wattenscheid 09-Anhänger „mit der Uhr in der Hand“ auf sie. „Wichtig ist es, die Wünsche herauszukitzeln“, sagt auch Anke Schulz-Najda. So sei sie, die über ihre Söhne ebenfalls mit dem Fußball-Virus infiziert wurde, schon mehrfach mit dem alten Herrn auf dem Fußballplatz gewesen. „Noch geht es ihm ja einigermaßen gut“, sagt sie. „Ich glaube, einen direkt sterbenden Menschen hätte ich noch nicht verkraften können.“

Dennoch sind sich sowohl Anke Schulz-Najda als auch Marianne Ramming bewusst, dass die alten Menschen, die sie begleiten, nicht mehr lange leben werden. „Ich nehme schon jetzt immer ein Stück Abschied“, sagt Anke Schulz-Najda. Beide Sterbebegleiterinnen wissen: Da wird eines Tages eine ganz große Trauer sein. „Aber die Begleitung ist ja auch eine Bereicherung für uns selbst. Wir lernen ja etwas dabei.“ Es sei eine schöne, wenn auch manchmal schwere Arbeit, sagt Marianne Ramming. „Und was dazu kommt, ist die Liebe, die man für den Menschen entwickelt – und die letztlich von Gott kommt.“

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