„Werkstatt ist Teil unseres Lebens“

Anne und Dr. Reinhard Cebulla in ihrem Garten beim Sommer-Interview. Der Garten, er liegt hinter der Kunstwerkstatt, wird in den Pausen gern vom Publikum  besucht.Fotos:Gero Helm
Anne und Dr. Reinhard Cebulla in ihrem Garten beim Sommer-Interview. Der Garten, er liegt hinter der Kunstwerkstatt, wird in den Pausen gern vom Publikum besucht.Fotos:Gero Helm
Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services
Sommer-Interview mit Anne und Reinhard Cebulla, den Machern derKunststätte am Hellweg. Musiker-Schmiede ist gerade 20 Jahre alt geworden

20 Jahre Kunstwerkstatt am Hellweg. Aus Anlass des Jubiläums dieser Kulturstätte führte WAZ-Redakteurin Ellen Wiederstein ein Sommer-Interview mit den Betreibern Anne und Dr. Reinhard Cebulla – im Garten hinter der Kunstwerkstatt.

Hätten Sie vor 20 Jahren gedacht, dass das Baby so gedeihen wird?

Ehepaar Cebulla: Nein. Als wir die ersten Konzerte mit dem ukrainischen Klavierprofessor Evgenij Rjanov starteten, haben wir von der weiteren Entwicklung nicht einmal träumen können. Dazu fehlten uns die Kenntnisse und Erfahrung. Ob die ersten Konzerte genügend Neugierige anlocken würden, um eine Fortsetzung zu rechtfertigen, war ungewiss. Viele Faktoren spielten da eine Rolle, die wir nicht planen konnten. Würde der Raum als Konzertsaal auf Dauer akzeptiert werden? Wann würde das Repertoire von Prof. Rjanov erschöpft sein? Würde es andere Interpreten geben? Dann kam wie ein Wunder auch noch Andreas Kern im richtigen Moment auf die Idee, mit Europiano Klavierstudent/innen aus allen EU-Ländern zusammenzuführen und zu einem Konzert in den Thürmer-Saal einzuladen, wo wir dann Kontakt aufgenommen haben. Damit war die Basis für unser jetzt weltweites Netzwerk an Interpreten gelegt. Von Jahr zu Jahr ist „unser Baby“ gewachsen und hat sich prächtig entwickelt. Obwohl: Wenn wir gewusst hätten, welche Auflagen, Regeln und Risiken auf uns zu kommen, hätten wir uns überlegt, ob wir eine solche Institution stemmen wollen. Wir können das auch nur zusammen bewältigen, haben eine eingespielte Arbeitsweise.

Hinter der Kunstwerkstatt steht auch ein Freundeskreis. Welche Aufgaben hat dieser, wie unterstützt er die Kunstwerkstatt?

Der Freundeskreis der Kunstwerkstatt ist ein eingetragener gemeinnütziger Verein, der berechtigt ist, steuerlich wirksame Spendenquittungen auszustellen. Er ist Veranstalter der Konzerte. Organisation und Durchführung mit allen anfallenden Arbeiten liegen bei der Kunstwerkstatt.

Sie haben die Ehrenplakette der Stadt Bochum und den Gertrudis-preis als Wertschätzung Ihrer Arbeit erhalten. Registrieren Sie dadurch noch mehr Interesse an Kunstwerkstatt-Konzerten?

Durchaus.

Sie verfügen über beste Kontakte in die Welt der klassischen Musiker. Es fällt positiv auf, dass viele junge Talente bei Ihnen auftreten. Wie rekrutieren Sie die Künstler?

Den Schwerpunkt der Musiker bilden Pianist/innen, die ihre Ausbildung mit einem Konzertexamen abschließen wollen, schon während des Studiums an Wettbewerben teilnehmen und sich schon mal begegnet sind. Abgesehen von den befreundeten Interpreten, werden wir direkt angesprochen. Es ist traurig, nicht alle Interessenten berücksichtigen zu können.

Wie viel Zeit stecken Sie in die Kunstwerkstatt, in die Buchungen, die Instandhaltung?

Das begleitet uns täglich. Die Werkstatt ist Teil unserer Wohnung und unseres Lebens.

In 20 Jahren gibt es bestimmt viele Höhen aber sicher auch einige Tiefen. Mögen Sie einige Tops und Flops nennen?

Eigentlich haben wir einen steten und wachsenden Strom hochkarätiger Interpreten und Programme erlebt. Echte Tiefs sind uns erspart geblieben, unser Vertrauen in die Interpreten ist stets belohnt worden. Unsere Hörer lohnen es den Interpreten mit unglaublicher Aufmerksamkeit … und Dankbarkeit.

Nun nehmen Sie die 30 ins Visier. Gibt es schon konkrete Pläne?

Einige der Studenten, mit denen wir angefangen haben, sind inzwischen Hochschullehrer und schicken ihre Studenten zu Generalproben. Aber/und: Durch zunehmendes Alter darf auch das Publikum nicht von Kultur ausgeschlossen sein. Wir überlegen etwa, einen Sammeltaxi-Dienst anzubieten.

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