Wattenscheid 09

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Wattenscheid.. Ratlosigkeit machte sich breit unter den Verantwortlichen bei der SG Wattenscheid 09, als im Jahr 2010 der erneute Abstieg in die Verbandsliga feststand. „Wir wussten absolut nicht, wie es weitergehen soll“, blickt 09-Sprecher Michael Seiß heute auf eine Zeit zurück, die noch gar nicht so lange her ist. Und dennoch: Beim letzten Heimspiel der laufenden Saison gegen TuS Eving Lindenhorst herrscht große Euphorie auf den Rängen des Lohrheidestadions, die Meisterschaft ist den 09ern nicht mehr zunehmen, sogar der Aufstieg in die Regionalliga ist machbar. „Es geht vorwärts mit der SG Wattenscheid“, findet dementsprechend nicht nur Michael Seiß.

Bruce Springsteen bringt es schon vor dem Spiel auf den Punkt, singt von „Glory Days“, die Fans stimmen mit ein. „Die Stimmung ist in Wattenscheid eigentlich immer gut. Aber je erfolgreicher die Mannschaft spielt, desto besser wird’s natürlich“, sagt Sebastian Bindrim. Der 30-Jährige versucht, so oft es geht in die Lohrheide zu kommen, steht auch gegen TuS Eving in der Kurve neben der Westtribüne. Nicht weit von ihm entfernt Horst Thiebel, er kann kaum glauben, wie gut die Mannschaft nach der vergangenen Saison zusammengewachsen ist und lobt vor allem den Zusammenhalt – innerhalb des gesamten Vereins: „Man hört in der Öffentlichkeit nur noch Positives, keine Querelen. Es ist toll, im Moment dazuzugehören.“

Doch es war kein leichter Weg, bis die SG 09 wieder solche Reaktionen unter den Fans auslösen konnte. „Der Vorstand ist damals verspottet worden, als er bei Amtsantritt von neuen Netzwerken gesprochen hatte. Und jetzt läuft es, sportlich wie wirtschaftlich“, schildert Seiß. Geduld sei zwar noch gefragt, immerhin plagen die 09er weiterhin langfristige Darlehen in Höhe von 300 000 Euro. „Aber wir befinden uns auf dem Weg der wirtschaftlichen Genesung. Nachhaltigkeit ist dabei gefragt, ohne die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen.“ Das sehen treue Anhänger wie Thomas Pfeiffer ähnlich: „Die Finanzlage scheint nicht direkt gut zu sein, aber eben nicht akut bedrohlich. Wir müssen nicht auf Teufel komm raus Regionalliga spielen, sondern den eingeschlagenen Weg fortsetzen.“

Die Verantwortlichen bei den Schwarz-Weißen wollen aber unbedingt über die Relegation gleich zwei Ligen aufsteigen – unter ökonomischen Gesichtspunkten. Für diesen Fall plant die SG mit einem Jahresetat von 500 000 Euro, rund 100 000 Euro mehr als in der Oberliga. Die Lücke soll über weitere Sponsoren und höhere Zuschauereinnahmen gedeckt werden. Schließlich stünden einige Derbys auf dem Programm. „Wir haben ja schon in der Verbandsliga einen Zuschauerschnitt von circa 500. Das ist sensationell“, findet Michael Seiß.

Doch bei aller Euphorie: Wo die SG letztendlich einmal landen wird, kann auch der 09-Sprecher nicht vorhersagen. „Die Infrastruktur ist sicher vom Allerfeinsten. Das Stadion und die Trainingsmöglichkeiten bieten die Rahmenbedingungen, weiter oben mitzuspielen.“ Zunächst will sich der Club aber unter Trainer André Pawlak weiter als Ausbildungsverein etablieren – und dann weitersehen.

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