Vom Bauer bis zum Kaiser

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Wattenscheid..  Mit „Glück auf, der Steiger kommt“ eröffnete der Spielmannszug der Höntroper Gänsereiter am Samstagabend das Festprogramm des Alten Schützenvereins 1788 Westenfeld. Doch es kam kein Knappe, sondern ein Kaiser auf die Bühne. Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte schoss die Bruderschaft im Vorfeld einen Kaiser aus, Ex-König Günter Sendt zeigte sich treffsicher und folgt damit auf Dieter und Iris Hoff, die nach fünfjähriger Regentschaft die Kaiserkette übergaben.

In der Sevinghauser Gänsereiterhalle begann der Abend mit dem Großen Zapfenstreich, Schützen-Chefin Rosi von Truczynski freute sich darüber, rund 400 Besucher am Wattenscheider Hellweg begrüßen zu dürfen: „224 Jahre – Eine Zahl, die Anlass bietet zurückzublicken, aber auch nach vorne zu schauen.“

Doch bei all den Jahren reicht kein kurzer Blick in die Vereinschronik. Schon vor 1788 sollen die Westenfelder Bauern Schützenfeste gefeiert haben, unter der französischen Herrschaft von 1807 bis 1813 waren Schießübungen hingegen verboten. So ist die Historie des Alten Schützenvereins durchaus wechselhaft. Auch in der Mitte und zum Ende des 19. Jahrhunderts kam es zu vorübergehenden Einstellungen der Aktivitäten, das 125-jährige Jubiläum konnte wiederum groß gefeiert werden. Die Nationalsozialisten nahmen dann Einfluss auf die Vereinsstruktur. Aus einem Versammlungsbericht von 1934: „Die bestehenden Vereine sollen als Kompanien dem Gesamtverein Wattenscheid 1788 angegliedert werden. An der Spitze der Kompanie steht der Hauptmann. Als Hauptmann wurde Heinrich Wiethaupt bestimmt. Als Stellvertreter wurde Willi Becker bestimmt, als Leutnant Julius Mollenhauer.“

Erst 1950 ging es unter dem Vorsitzenden Anton Hogrebe mit der aktiven Arbeit weiter. Heinz Krumtünger konnte sich acht Jahre später als König auf dem neuen Schießstand feiern lassen. Es folgte die Eingemeindung, die in den 1970er Jahren dafür sorgte, dass die Wattenscheider Brauchtumsvereine enger zusammengewachsen sind. Das 200-jährige Bestehen wurde 1988 groß gefeiert, Josef Najda und Lotti Düring stellten das damalige Jubiläums-Königspaar.

„Gut Schuss“ heißt es jetzt für Günter Sendt, der in die Fußstapfen seiner Vorgänger – in diesem Fall also auch seinen eigenen – tritt. Seine Begleiterin durch die Regentschaft ist Gabi Steindreischer. Die Schirmherrschaft hat Hermann Appelbaum übernommen. Nach der Inthronisierung feierte der Kaiser samt Gefolge mit der Big Band „The Fantastic Company“, „Danny and the Chicks“ spielten Klassiker der 50er, Schlagersänger Jörg Bausch begeisterte vor allem die Schützenschwestern im „Flug“. Ein DJ rundete das musikalische Programm ab. Mit einem Festumzug und zahlreichen Gastvereinen ging das Feierwochenende dann am Sonntag zu Ende.

 

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