Versand-Mitarbeitern droht Kündigung

Ralf Drews
Protest gegen die angekündigte Werksschließung an der Burgstraße.
Protest gegen die angekündigte Werksschließung an der Burgstraße.
Foto: WAZ FotoPool

Wattenscheid.  In aufgeheizter Stimmung endete nun das Einigungsstellenverfahren bei der Firma Solutions Modelogistik GmbH. Die rund 65 Mitarbeiter, die seit Monaten um ihre Arbeitsplätze bangen und nach mehreren Eigentümerwechseln jegliche Klarheit über ihre berufliche Zukunft vermissen, machten dabei ihrem Ärger über die Unternehmensleitung lautstark Luft.

Die Hängepartie für die Beschäftigten geht weiter, Kündigungen wurden bislang nicht ausgesprochen, können jetzt aber täglich eintreffen. Die Firma an der Burgstraße ist letzter Rest des Steilmann-Kapitels in Wattenscheid. Erst Mitte Februar hatte die Radici AG den vor Jahren an die Logwin AG outgesourcten Betrieb (ehemals Steilmann-Zentralversand) überraschend zurückgekauft und anschließend sofort die Schließung verkündet.

Der kürzlich von Miro Radici AG in Steilmann Holding AG umfirmierte Konzern aus Bergkamen hatte die Firma Mitte Juli dann erneut verkauft: für 1 Euro an die ECMG AG aus Essen, erklärt der Betriebsrat, nach dessen Angaben es sich hierbei „um ein Unternehmen handelt, das lediglich sanierungsbedürftige Firmen kauft, um sie weiterzuverkaufen oder billig abzuwickeln“. Er befürchtet, dass die Solutions Modelogistik GmbH in der Insolvenz landet und die größtenteils langjährigen Mitarbeiter schlimmstenfalls so um Kündigungsfristen und Abfindungen, die eh schon sehr gering kalkuliert seien, gebracht würden.

Wütend und schockiert

Betriebsratsvorsitzender Wolfgang Theisen: „Die Firma Motex hat derzeit alle Dienstleistungsverträge, die ursprünglich der Solutions Modelogistik GmbH bis zum 30.6.2015 vertraglich zugesichert waren, übernommen. Somit war Solutions Modelogistik beim Verkauf ein Dienstleister ohne Immobilie, ohne eigene IT, ohne Dienstleistungsvertrag – lediglich mit den Kosten für Gehälter und Miete behaftet. Den neuen Gesellschaftern wurden bis heute keine aktuellen Zahlen und wirtschaftliche Verhältnisse aus den letzten drei Geschäftsjahren vorgelegt.“

Somit konnte auch die PCG, ein über die IG Metall Bochum beauftragtes unabhängiges Unternehmen, das die Wirtschaftlichkeit des Betriebes ermitteln sollte, nicht aktiv werden.

Die Mitarbeiter, die um ihre Arbeitsplätze bangen, sind seit Monaten wütend und schockiert. Da die Verhandlungen über einen Sozialplan und Interessensausgleich scheiterten, wurde das Einigungsstellenverfahren durchgeführt, den Vorsitz übernahm Dr. Jasper (ehem. Vorsitzender Richter des Arbeitsgerichtes Bochum).

„Klarer Betriebsübergang“

Wegen „fehlender und unzureichender Unterlagen seitens des Arbeitgebers“ wurden Termine im Einigungsstellenverfahren mehrfach verschoben, so der Betriebsrat. Der von Radici beauftragte neue Dienstleister ist laut Betriebsrat nicht in der Lage, die bislang von der Solutions Modelogistik GmbH erbrachten Leistungen reibungslos zu übernehmen. Deshalb werde immer noch auf das Wissen der Wattenscheider Firmenmitarbeiter zurückgegriffen. Für den Betriebsrat handelt es sich um einen „klaren Betriebsübergang“. Der Arbeitgeber könne sich nicht so leicht aus der Verantwortung stehlen. Die IG Metall sucht das Gespräch mit Radici, um eine Lösung zu finden und die zahlreichen offenen Fragen abzuklären, erklärt IGM-Bevollmächtigte Eva Kerkemeier. So könne man mit den Mitarbeitern nicht umgehen.

Geschäftsführer Brand kündigt an, die Situation mit der Konzernleitung besprechen zu wollen, um dann eine unternehmerische Maßnahme zu treffen.