Unterstützung für junge Eltern

Das ev. Kinder- und Jugendhaus. Foto: Karl Gatzmanga / WAZ FotoPool
Das ev. Kinder- und Jugendhaus. Foto: Karl Gatzmanga / WAZ FotoPool
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Wattenscheid. „Mein Sohn hat ,Mama’ zu mir gesagt. Das war das Tollste für mich“, erzählt Kim. Die 23-Jährige kam vor einem Jahr mit ihrem damals eine Woche alten Sohn in die Einrichtung des Evangelischen Kinder- und Jugendhauses am Centrumplatz. Das Jugendamt ermöglichte den Einzug der beiden in das Mutter-Vater-Kind-Haus.

Zwei Kinder hat Kim bereits bekommen, die kurz nach der Geburt zu Pflegeeltern gegeben wurden. Doch zu ihnen hat sie keinen Kontakt mehr. Das Hilfsangebot der Diakonie-Einrichtung war der letzte Versuch des Jugendamtes, um heraus zu finden, ob das Kind diesmal bei ihr bleiben könnte.

„Begeistert war ich davon nicht und habe auch daran gedacht abzuhauen“, erinnert sich Kim. „Schließlich wohnte ich vorher in einer eigenen Wohnung. Jetzt hatte ich nur noch ein Zimmer und musste mit anderen Bewohnerinnen und Bewohnern das Wohnzimmer und die Küche teilen.“

Die Vorteile der Einrichtung hat Kim aber schnell für sich erkannt. „Für mich und meinen Sohn habe ich hier einen regelmäßigen Tagesablauf kennen gelernt. Kochen habe ich hier gelernt, außerdem habe ich im Mutter-Vater-Kind-Haus endlich mal Ruhe für mich. Ich hatte nämlich einen Freund, der mich geschlagen hat. Von ihm losgekommen bin ich aber nicht. Erst hier merkte ich: Du kannst es auch allein schaffen!“

Mit Hilfe der Betreuerinnen hat Kim gelernt, selbstständig ihren Alltag zu meistern und das Kind angemessen zu versorgen. Nach vier Monaten durfte sie in die Verselbstständigung, also in eine komplett eingerichtete Wohnung innerhalb der Einrichtung, ziehen. „Während Dean die Krabbelgruppe besucht, mache ich Einkäufe oder räume die Wohnung auf. Danach hole ich ihn ab, koche Mittag für ihn und nach seinem Mittagsschläfchen gehen wir raus, auf den Spielplatz.“ Bei aller Selbstständigkeit wurde Kim jeden Abend von den Betreuerinnen kontrolliert: Ist der Wickeltisch hygienisch, hat das Kind gegessen, ist alles sauber?

Nachdem den Betreuerinnen deutlich wurde, dass Kim sich verantwortlich um sich und ihr Kind kümmern kann, haben sie gemeinsam mit ihr eine eigene Wohnung außerhalb der Einrichtung gefunden, die sie demnächst beziehen wird. „Ich möchte in der Nähe bleiben“, sagt Kim. „Zu meiner Betreuerin habe ich ein gutes Verhältnis. Und jetzt verstehe ich mich auch wieder mit meiner Mutter besser. Seitdem ich von meinem Freund getrennt bin, steht auch meine Familie wieder hinter mir.“ Kim geht ihr Leben zuversichtlich an. Mit ihrer Betreuerin hat sie die Möbel für ihre Wohnung gekauft und ist dabei, das neue Zuhause einzurichten. Auch in Zukunft erhält sie professionelle Unterstützung. Mitarbeitende des Ambulanten Hilfezentrums Wattenscheid werden Kim betreuen. Wenn Dean in den Kindergarten geht, möchte sie eine Teilzeitausbildung machen.

Seit seiner Gründung vor zwei Jahren ist das Mutter-Vater-Kind-Haus ausgebucht – sowohl von Müttern, als auch von Vätern. In der Regel klärt sich nach drei bis sechs Monaten, ob die Eltern ihre Kinder behalten dürfen oder ob die Kinder in Pflegefamilien gegeben werden. Immer im Hinblick auf das Kindeswohl werden Empfehlungen ausgesprochen, was die Mütter oder Väter, die in die Einrichtung kommen, an Hilfe und Unterstützung benötigen. Im Hilfeplan werden gemeinsam mit dem Jugendamt, der Einrichtung und den Müttern und Vätern die weiteren Unterstützungsmöglichkeiten festgelegt. Weitere Infos unter www.ev-kjh.de.

 
 

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