St. Pius wird Begräbniskirche

Ellen Wiederstein
Die St. Pius-Kirche wird zum Kolumbarium umgestaltet: Hier die Verantwortlichen und Planer.Foto:INGO OTTO
Die St. Pius-Kirche wird zum Kolumbarium umgestaltet: Hier die Verantwortlichen und Planer.Foto:INGO OTTO
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool

Bochum.  Es soll im östlichen Teil des Reviers das erste Kolumbarium in einem ehemaligen katholischen Gotteshaus sein: St. Pius in Wattenscheid wird Begräbniskirche. Jetzt ist es amtlich. Im westlichen Revier bietet Mülheim ein Kolumbarium im als Kirche ausgedienten Gebäude der Heilig Kreuz-Gemeinde an. Der Begriff „Kolumbarium“ stammt aus dem Lateinischen, bedeutet Taubenschlag – wegen der Ähnlichkeit wurden altrömische Grabkammern mit reihenweise übereinander angeordneten Nischen für Urnen nach Feuerbestattungen so benannt.

Schon bevor die St. Pius-Kirche an der Parkstraße im Jahr 2008 ihre Pforten schließen musste, die Gemeinde in St. Joseph an der Geitlingstraße ihr neues Zuhause fand, entwickelten Aktive aus Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat Ideen und auch erste Konzepte für eine Umnutzung und brachten diese auf den Weg. Kirchenvorsteher Dr. Dieter Wobben – „als Motor immer am Ball“ geblieben, so Propst Werner Plantzen – und weitere Aktive, waren bestrebt, die über 50 Jahre alte St. Pius Kirche zum Kolumbarium umzugestalten.

Der Weg von der Idee über die Planung und das Konzept bis hin zur Ausführung war kein kurzer und leichter. Doch jetzt steht die Umnutzung quasi fest, auch mit dem Segen des Bistums Essen. Auf Empfehlung des Bistums wandte sich die Gemeinde St. Gertrud als Träger an das Architektenbüro Funke und Popal in Oberhausen, da dieses Büro „Erfahrung hat und auch die Kirche in Mülheim geplant und umgestaltet“ habe, so Propst Plantzen. Architekt Werner Funke: „Die Kirche bietet die beste Voraussetzung, schon durch die Substanz des Gebäudes.“

Gut 2500 Urnengräber werden in St. Pius Platz finden. Sowohl das Kirchenschiff als auch die Seitenwände sollen als Grabstätten dienen. Der Chor- bzw. Altarraum behält seine herausgehobene Lage, soll Raum für die Trauernden bieten und ist vom Eingang aus über eine höher gelegte Rampe zu erreichen. Der derzeit noch große Altartisch aus Muschelkalk bleibt im Chorraum, wird von einem Steinmetz aber verkleinert. Um den Altar herum sollen im Halbkreis rund 60 Besucherplätze angeordnet werden. Ambo, Taufbrunnen und Osterkerze bleiben in der Kirche erhalten. „Der Bau“, so Architekt Funke, „wird nicht verändert, lediglich die Einrichtung.“ Dem Chorraum zu Füßen, dort wo jetzt die Kirchenbänke auf Parkett stehen, werden die Urnengrabstätten in einer Höhe von ca. 30 Zentimetern angelegt. Die Krypta ist der Ort für Trauerarbeit und Gespräche. Die Kirche wird tagsüber stets geöffnet sein – wie ein Friedhof.