Seit 50 Jahren wird gefunkt

Dr. Rudolf Pfeiffer (79), Vorsitzender der Wattenscheider Amateurfunker, weiß, wie man das Interesse für Signale, Frequenzen und Nachrichten weckt.
Dr. Rudolf Pfeiffer (79), Vorsitzender der Wattenscheider Amateurfunker, weiß, wie man das Interesse für Signale, Frequenzen und Nachrichten weckt.
Foto: FUNKE Foto Services
Der Wattenscheider Ortsverein des Deutschen Amateur-Radio-Clubs (DARC) sendet und empfängt seit 1966. Technische Entwicklungen immer im Auge

Wattenscheid..  Es funkt – seit einem halben Jahrhundert. Der Wattenscheider Ortsverein (O33) des Deutschen Amateur-Radio-Clubs (DARC) feiert Jubiläum und öffnet dafür am 3. September die Türen des Clubraumes in Höntrop. Die Gründung fiel in eine Zeit, als PCs noch Räume oder zumindest Schränke füllten und der Fernseher Schwarz-Weiß zeigte. Sieben Amateurfunker starteten am 13. November 1966 im Jugendheim am Bußmanns Weg das Geschehen in der Alten – noch selbstständigen – Freiheit.

Warum gefunkt wird, ist einfach: „Um zu kommunizieren und um zu sehen, ob es klappt“, liefert Dr. Rudolf Pfeiffer, Vorsitzender des O33, lachend eine knappe Erklärung. Ein weiterer Anspruch prägt zudem seit jeher das Leitbild der aktuell 37 Mitglieder: „Wir möchten – vor allem den Nachwuchs – wieder für Technik begeistern“, so Pfeiffer. Unter Funkern ist er als Delta-Juliett-3-Delta-Yankee bekannt.

Von Wattenscheid nach Neuseeland

Seine Kennung (DJ3DY) ist weltweit einmalig und hat gesprochen im „Nato-Alphabet“ schon fast alle Bereiche dieser Erde erreicht. „Natürlich auch Neuseeland“, den von Deutschland aus am weitesten entfernten Punkt.

Rund drei Jahre lang engagieren sich die „OM“ (Abkürzung für „Old Man“, wie sich die Funkamateure nennen, Frauen heißen „Young Ladies“) bereits im offenen Ganztag der Regenbogenschule: „Dienstags basteln wir mit fünf Schülern technische Spielereien wie LED-Lampen oder Morsetaster“, erzählt Pfeiffer. Die Neun- bis Zehnjährigen erhalten so früh Zugang zur Technik, denn: „Wir sind alle Meister der Improvisation.“

Seit 1990 gehen die Wattenscheider zum Funken in den Keller. Im ehemaligen Schutzraum aus den 50er Jahren der Höntroper Regenbogenschule (Preins Feld) werden Kontakte zu Gleichgesinnten rund um den Globus hergestellt, das sphärische Rauschen immer mal wieder durch Stimmen unterbrochen, die ihrerseits die Außenwelt rufen. An den Wänden hängen Karten, die in Rechtecke mit Kürzeln eingeteilt sind: „Anhand dieser kann man Positionen weltweit bis auf fünf Kilometer genau bestimmen.“ JO31NK ist die „Adresse“ der Wattenscheider.

Ein funktionierender Amateurfunk-Fernschreiber (RTTY) aus den 50ern steht direkt neben Funkgeräten (Kurzwelle und Ultrakurzwelle) und Computern. Der O33 geht mit der Zeit und mit der Technik, hat längst das Internet in den Betrieb eingebunden.

Pfeiffer selbst ist mit Handfunkgerät und Anlage im Auto bestens ausgestattet, entziffert jedoch auch einen Morsecode problemlos: „Als ich 1957 meine Lizenzprüfung bei der Oberpostdirektion in Nürnberg abgelegt habe, musste man den noch beherrschen.“ Seine Zeit bei der Funkeinheit der Bundeswehr half freilich auch.

Wer das „immaterielle Kulturerbe Morsetelegrafie“ nicht beherrscht, der hilft sich heute mit einfachen PC-Programmen, die das eingehende Signal bequem in Buchstaben und Worte wandeln.

 
 

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