Schulen wollen Vielfalt fördern

Besonders groß ist das Schild nicht. „Vielfalt fördern“ steht drauf, zudem sind viele bunte Pfeile zu sehen. Sie sind so angeordnet, dass sie einen Stern entstehen lassen. Fast direkt daneben im Treppenhaus der Nelson-Mandela-Schule hängt das Schild: Schule mit Courage. Schule ohne Rassismus. Es ist deutlich größer und die Idee, die dahinter steckt, sorgt für Bewegung an der Schule. Sie bewegt aber bei weitem nicht so viel, wie das Projekt „Vielfalt fördern.“

Lehrer Michael Post sagt dazu: „Das Projekt Vielfalt fördern ist der bislang tiefgreifendste Eingriff in den Schulalltag.“

Auf der offiziellen Seite im Internet wird es so beschrieben: „Die Kooperationspartner, das Ministerium für Schule und Weiterbildung und die Bertelsmann-Stiftung möchten mit ihrem Projekt die Schulen und Lehrkräfte dabei unterstützen, sich besser auf die wachsende Heterogenität der Schülerschaft einzustellen. Damit soll ein Beitrag zur Verbesserung von Chancengleichheit, sozialer Gerechtigkeit und Leistungsfähigkeit des Schulsystems in Nordrhein-Westfalen geleistet werden.“

Post formuliert das deutlich griffiger. „Das Projekt ist letztlich die Zusammenfassung, was durch verschiedene Studien bereits festgestellt wurde. Man muss Schule wieder stärker an die Realität anpassen. Die Schüler kommen nicht mehr vorsortiert bei und an. Das Spektrum geht weit auseinander. In der Vergangenheit wurden die Schülerinnen und Schüler alle über einen Kamm geschoren. Jetzt soll eine andere Herangehensweise vermittelt werden.“

Eine, bei der zum Beispiel nicht mehr alle Schüler das gleiche Arbeitsblatt bekommen, sondern eins, das ihren individuellen Fähigkeiten entspricht. „Ob Sitzenbleiben Sinn macht wird zum Beispiel auch thematisiert und klar ist, dass wir als Lehrer anders arbeiten müssen“, sagt Post. „Wir müssen stärker in Teams arbeiten. Und das nicht nur in Jahrgangsteams. Der Lehrer ist dann weniger Einzelkämpfer.“ Um Schüler genauer einschätzen zu können, bedürfe es aber auch einer anderen Diagnostik.

Dort setzt das Projekt und die Fortbildung auf dem Weg zur Umsetzung an. „Dazu haben alle beteiligten Schulen Steuerungsgruppen gebildet“, sagt Post. In Bochum beteiligen sich neben der Nelson-Mandela-Schule auch die Realschule Höntrop und die Sekundarschule Südwest am Projekt. „Im ersten Modul der Fortbildung geht es um die Zusammenarbeit der Kollegen, um kollegiale Unterrichtsbesuche“, so Post.

Individuelle Fähigkeitenwerden gefördert

„Im zweiten um die Diagnostik, im dritten und vierten darum, wie man seinen Unterricht entsprechend verändern muss.“ Das geht indes nicht von heute auf morgen. Vor zwei Jahren gab es eine erste Infoveranstaltung zum Thema. Nun läuft an den drei Schulen in Bochum in den nächsten beiden Jahren die Fortbildung, jeweils moderiert von Lehrern, die von außen kommen und nicht an der jeweiligen Schule selber arbeiten. „Bei der Lehrerfortbildung ist viel im Wandel“, sagt Post. „Es ist ein Prozess, bei dem wir mit der Teilnahme an diesem Projekt weiter sind als andere.“

 
 

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