Schüler in Bochum und Wattenscheid fordern Mitbestimmung

Christopher Becker
Neugründung der Bezirksschülerverterung: Jonathan Röder (2.v.r.), Koordinierungsmitglied der Planungsgruppe, und Mitstreiter stellen sich vor. Foto: Karl Gatzmanga
Neugründung der Bezirksschülerverterung: Jonathan Röder (2.v.r.), Koordinierungsmitglied der Planungsgruppe, und Mitstreiter stellen sich vor. Foto: Karl Gatzmanga
Foto: WAZ FotoPool
Die Schüler in Wattenscheid und Bochum haben eine neue Interessenvertretung. Zwei Jahre lang gab es in der Stadt keine übergreifende Kooperation der weiterführenden Schulen mehr. Jetzt wollen die Schülervertreter bei kommunaler Politik mitmischen.

Wattenscheid. Die Schüler in Wattenscheid und Bochum haben eine neue Interessenvertretung. Zwei Jahre lang gab es in der Stadt keine übergreifende Kooperation der weiterführenden Schulen mehr. Jetzt wollen die Schülervertreter bei kommunaler Politik mitmischen.

Die Schülervertretungen (SV) bieten für die meisten jungen Menschen die ersten Erfahrungen mit Demokratie und freien Wahlen. An den Schulen kommen sie so zum ersten Mal in Kontakt mit Mitbestimmungsmodellen, doch übergreifend gab es seit knapp zwei Jahren keine Kooperation mehr in der Stadt.

Bis Donnerstag. In der Mensa der Maria Sibylla Merian-Gesamtschule trafen sich die SV-Abordnungen der einzelnen weiterführenden Schulen um eine neue Bezirksschülervertretung (BSV) zu gründen. „Wegen der logischen Fluktuation gab es die letzte BSV-Veranstaltung vor knapp zwei Jahren. Diese schulübergreifende Institution könnte aber viel erreichen“, begründet Jonathan Röder aus dem Planungsstab die Neugründung.

Schülervertretung steht Jugendlichen im Alltag zur Seite

Der 16-jährige Eppendorfer engagiert sich schon in der SV am Neuen Gymnasium. Er weiß also, wovon er spricht: „Die Schülervertretung hat zum Beispiel eine Drittelparität in der Schulkonferenz und steht den Jugendlichen im Alltag zur Seite. Außerdem fördern wir Projekte und Kampagnen, so auch immer am Welt-Aids-Tag“, berichtet Jonathan aus der Arbeit einer SV.

Die Interessengemeinschaft auf gesamtstädtischer Ebene hat für ihn aber noch weitere Vorteile. Neben der Unterstützung der SV vor Ort wolle man öffentlichkeitswirksam auf die kommunalen Gremien einwirken und ein beratender Sitz im Schulausschuss des Rates, wie in anderen Städten üblich, sei das Ziel. „Klar sind zwar viele Jugendliche politikverdrossen. Aber das ist nur ein Spiegelbild der Gesellschaft. Zahlreiche junge Menschen wollen sich auf jeden Fall engagieren und da ist die SV die beste Möglichkeit“, erläutert Jonathan die Forderung nach einer Mitbestimmungsmöglichkeit für Jugendliche in der Kommunalpolitik.

Alles andere als politikverdrossen

Dass viele Jugendliche alles andere als politikverdrossen sind, bestätige sich immer wieder durch großes Engagement gegen Rechtsextremismus. Röder: „Die SV setzt sich regelmäßig gegen radikale Gruppen zur Wehr, die auf den Schulhöfen mit gezielten Aktionen Nachwuchs suchen. Zunächst ist da natürlich die Integration der Schüler in den demokratischen Prozess einer Schule wichtig. Als SV, und demnächst mit der BSV, gestalten wir aber auch Kampagnen zur Wahlbeteiligung und Workshops zum Thema Demokratie“, schildert der frisch gewählte BSV-Sprecher, der selbst bis zur zehnten Klasse die Maria Sibylla Merian-Gesamtschule an der Lohackerstraße besucht hat.

Ein anderes Problem will die BSV ebenso schnell angehen: Zwar haben sich fast alle weiterführenden Wattenscheider Bildungsträger an der Bezirksschülerkonferenz beteiligt, nur die Hauptschulen haben sich stadtweit kaum eingebracht. „Das finde ich unheimlich schade.“