Ria Witt: Eine fast vergessene Filmikone aus Wattenscheid

Wattenscheid.  Eine bekannte Schauspielerin aus der Alten Freiheit zu benennen, dürfte selbst eingefleischten Wattenscheidern schwer fallen. Doch es gab sie: Ria Witt, die als Stummfilmstar in den 1910ern Karriere machte. Eine historische Autogrammkarte ist seit Ende August im Heimatmuseum Helfs Hof ausgestellt.

Wie Recherchen von Stadtarchivar Andreas Halwer dazu hervorgebracht haben, hieß Ria Witt eigentlich Maria Wittlich. Sie wurde 1896 als Tochter des Bergmanns Wilhelm Wittlich geboren. Gemeinsam mit seiner Ehefrau betreibt Wittlich an der Südstraße 59 (heute An der Papenburg) ein Kolonialwarengeschäft. Nach Abschluss der Volksschule hilft Tochter Maria der Mutter und arbeitet als Verkäuferin ebenso mit im Geschäft. Eine unbefriedigende Situation für die ambitionierte junge Wattenscheiderin, die dann – gerade volljährig geworden – nach Berlin zieht.

Durchbruch in Berlin

Dort angekommen, wird ihr schauspielerisches Talent entdeckt. Unter dem Künstlernamen Ria Witt dreht sie von 1917 bis 1919 mindestens neun Filme, unter ihnen sind dramatisch klingende Titel wie „Des Prokurators Tochter“ (1917), „Des Vaters Schuld“ (1918) oder die „Ehe aus Hass“ (1919). Das Wattenscheider und das Gelsenkirchener Lichtspielhaus „Apollo“ konkurrieren zu dieser Zeit miteinander und zeigen natürlich auch die Filme, in denen „Fräulein“ Ria Witt mitwirkt.

Selbstverständlich inserieren die Häuser auch in der Wattenscheider Zeitung und inszenieren die Filmabende rund um die Wattenscheider Schauspielerin. Das Gelsenkirchener Apollo-Theater preist „die einheimische Künstlerin“ mit ihrer neuesten Filmproduktion am 7. Januar 1919 an und wirbt sogar mit ihrer persönlichen Anwesenheit.

Im Wattenscheider Apollo tritt Maria Wittlich erst im August 1919 persönlich auf. Zu ihrem Film werden sogar die Eintrittspreise erhöht. Im selben Jahr endet aber auch ihre Schauspiel-Karriere. Sie lernt, fast einem modernen, ein bisschen zu kitschigen Hollywood-Film ähnlich, einen reichen Südamerikaner kennen und wandert mit ihm 1927 nach Bolivien aus. Ob sie ihre Eltern in Wattenscheid nach ihrer Eheschließung noch oft besuchte, ist nicht bekannt.

Ihre Arbeiten geraten mit den Jahren in Vergessenheit. Der Tonfilm macht dem Stummfilm Konkurrenz. Die neue Ära hält auch Einzug im Wattenscheider „Apollo-Theater“, das 1928 von Grund auf renoviert wurde.

 
 

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