Radfahren für krebskranke Kinder

Schornsteinfeger Jens Wellen aus Höntrop radelte zum vierten Mal die „Glückstour“ quer durch Deutschland mit. In sieben Tagen rund 1000 Kilometer

Wattenscheid.. Jens Wellen setzt sich den Fahrradhelm auf und schmunzelt. Normalerweise ist der Höntroper Schornsteinfeger. Doch seit vier Jahren tauscht er seine schwarze Arbeitskleidung gegen das bunte Radtrikot und Helm, um mit der „Glückstour“ Spenden für krebskranke Kinder zu sammeln. Seit elf Jahren gibt es die Glückstour der Schornsteinfeger.

Jedes Jahr radeln 40 Kaminkehrer aus ganz Deutschland sieben Tage lang quer durchs Land, um Spendengelder zu sammeln. „Es macht mir Spaß, zu helfen. Da ich selbst einen Kollegen habe, dessen Kind an Krebs erkrankte, wollte ich gern aktiv etwas tun,” erzählt der 1,96 m groß gewachsene Schornsteinfeger.

Jens Wellen tritt kräftig in die Pedale. Im Mittelfeld der Truppe hält der 43-jährige Sportbegeisterte locker mit. Die knapp 1000 Kilometer von Neckarsulm bis Köln zum Bundesverbandstag stecken in diesem Jahr voller Herausforderungen. Temperaturen um die 40 Grad Celsius, ein paar Anstiege und auch Regen fordern auf den Tagesetappen ihren Tribut.

Spenden von 181 250 Euro

Doch „die täglichen Spendenübergaben sind immer der Lohn für die Mühen und sehr bewegend,” sagt Wellen, der früher aktiver Schwimmer war. Immerhin konnten in diesem Jahr – laut Ralf Helbrok, Organisator der Glückstour – 181 250 Euro Spenden gesammelt werden.

„In Weimar gab uns im vergangenen Jahr eine Mutter Einblicke in ihr Leben mit ihrem kranken Kind. Sie erzählte von den alltäglichen Problemen, dem Stress, wie schwierig es sei, den eigenen Job zu erfüllen und die anderen Kinder nicht zu benachteiligen und von der Belastung der Partnerschaft. Das hat mich ungemein berührt,” so der verheiratete Familienvater. „Wir sollten uns täglich bewusst machen, wie gut es uns doch geht,” ergänzt Wellen nachdenklich. Dieses Kind sei glücklicherweise seit zehn Jahren krebsfrei, doch die sozialen Folgen der damaligen Krankheit noch heute spürbar.

Vor neun Jahren stieg Jens Wellen zum ersten Mal auf das Rennrad. Dann kam er nicht mehr davon los. Jedes Jahr werden es um die 4000 Kilometer, die sein Tacho zählt.

Einer für alle, alle für einen

Als es von Bad Kreuznach nach Koblenz geht, saßen die Glückstourfahrer nun schon vier Tage im Sattel. Doch die letzten 900 Meter hoch zur Festung Ehrenbreitstein am Rande von Koblenz brachten manchen Glücksbringer dann doch an die Reserven. Gegenseitig motivierten sich die Schornsteinfeger im Sattel, um dann gemeinsam ins Ziel zu fahren. „Einer für alle, alle für einen,” so der Wahlspruch des Schornsteinfegerhandwerks.

Jens Wellen ist die Glückstour ans Herz gewachsen. Auch seine Familie steht voll hinter der Aktion. „Immerhin bin ich zehn Tage unterwegs”. Die Firma und auch alles andere muss ja dann funktionieren. Doch erzählt er auch Kunden, Firmen und Freuden von der „Glückstour“.

 
 

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