Protest gegen das Gänsereiten in Bochum-Wattenscheid

Ralf Drews
Stets am Rosenmontag findet das traditionelle Gänsereiten statt. Wie in den Vorjahren protestieren Gegner auch in diesem Jahr wieder gegen die Wettbewerbe. Foto: Gero Helm
Stets am Rosenmontag findet das traditionelle Gänsereiten statt. Wie in den Vorjahren protestieren Gegner auch in diesem Jahr wieder gegen die Wettbewerbe. Foto: Gero Helm
Am Rosenmontag findet in Höntrop und Sevinghausen das traditionelle Gänsereiten mit echten Tieren statt. Die Gegner protestieren gegen die „barbarische Leichenfledderei“ und haben Strafanzeige erstattet.

Wattenscheid. Auf Hochtouren laufen die Vorbereitungen der Gänsereiter für ihre traditionsreichen Wettbewerbe um die Königswürde am Rosenmontag in Höntrop und Sevinghausen. Auf Hochtouren laufen derweil auch die Aktivitäten der Gegner, nachdem es in den Vorjahren etwas ruhiger geworden war.

"Wie im Mittelalter“

Das „Bündnis gegen das Bochumer Gänsereiten” hat bei der Polizei zwei Kundgebungen angemeldet: Am 26. Februar und 5. März in der Bochumer Innenstadt (Dr.-Ruer-Platz) von 12 bis 16 Uhr will man „gegen das weiterhin mit echten Gänsen durchgeführte Gänsereiten protestieren. Die Karnevalsvereine weigern sich hartnäckig den Wandel der Zeit zu akzeptieren und gebärden sich nach wie vor wie im Mittelalter“, heißt es im Aufruf. Darin wird auch erklärt, dass vor mehr als 400 Jahren spanische Söldner mit dem Gänsereiten begonnen haben – damals mit lebenden Gänse. Heute sind sie tot. Doch „die Welt bewegt sich, inzwischen wurde im Grundgesetz der Tierschutz aufgenommen.“ Das „Zerfleddern von Tieren“ sei „barbarische Leichenfledderei“. Woanders werde aufs Gänsereiten mit echten Tieren verzichtet. Related content

Mit Datum vom 20. Februar 2011 habe das Bündnis Strafanzeige bei der Bochumer Staatsanwaltschaft wegen Verstoß gegen das Jugendschutz- und Tierschutzgesetz gestellt. Auch im Internet machen die Gegner mobil, so unter www.tierrechtsnetz.de; Verwaltung und Politiker haben zig Mails erhalten. Eine Demo Rosenmontag in Höntrop – zu der in Vorjahren wenige, meist auswärtige Teilnehmer anreisten – wurde bislang bei der Polizei nicht angemeldet; das muss mindestens zwei Tage vorher passieren.

Achim Hehrs – Rechtsanwalt, Clubmitglied und gemeinsamer Sprecher der beiden Gänsereiterclubs in dieser Sache -- erklärt, dass schon vor zwei Jahren eine Anzeige gestellt wurde, alles überprüft und das Verfahren dann schließlich eingestellt wurde. Er betont: „Grundsätzlich ist es okay, wenn Menschen eine andere Meinung kundtun.“ Der Brauch des Gänsereitens blicke auf eine sehr lange Tradition im Ruhrgebiet. Die Tiere werden zuvor ordnungsgemäß geschlachtet und dienen anschließend dem Verzehr.