Pro Grün weiter gegen „Wildnis für Kinder“

Hier der umstrittene Wald, soweit er sich bis vergangenen Herbst erholt hatte.
Hier der umstrittene Wald, soweit er sich bis vergangenen Herbst erholt hatte.
Foto: WAZ FotoPool
Der Verein für die Erhaltung von Grünflächen kritisiert die Flächenwahl für den „Spielplatz“ und droht mit Rechtsschritten.

Wattenscheid. Der Verein „Pro Grün“ meldet sich erneut gegen die Standortwahl des städtischen Projekts „Wildnis für Kinder“ zu Wort: „Unglaublich, wie bedenkenlos sich die [mit der Realisierung beauftragte] Biologische Station und einige Bezirkspolitiker über geltendes Recht hinwegsetzen“, so Horst Ley, 2. Vorsitzender. Der Jurist erklärt, das Gelände zwischen Herrenacker, Westenfelder Straße und Wattenscheider Hellweg sei mit Ratsbeschluss von 1993 „Wald im Sinne des Gesetzes“. Man dürfe den Wald betreten, das sei auch schon alles, jede weitere Nutzung sei illegal.

Als „Brachfläche“ dürfe das Gelände jedenfalls nicht bezeichnet und behandelt werden, betont Ley. Eine Änderung des ursprünglichen Bebauungsplanes per Ratsbeschluss hält er für nicht mehrheitsfähig.

Für das 1993 beschlossene Experiment „Natürliche Waldvermehrung“, das inzwischen zarte Erfolge zeige, kleine Forstpflanzen, die leicht zertrampelt würden, bedürfe es großer Sensibilität und eines langen Atems, so Ley. Selbst eine minimalinvasive Umgestaltung des Waldes sei zu viel. Ley sieht also in dem geplanten „Spielplatz“ eine Gefährdung des Walds und eine Kompetenzüberschreitung seitens der Biologischen Station: „Bau und Bereitstellung von Kinderspielplätzen sind sozialpolitische Aufgaben, die nichts mit Biologie zu tun haben.“ Ley kündigt an, sein Verein werde „die Aufsichtsbehörde einschalten“, wenn die Biologische Station mit der Umsetzung fortfahren wolle. Er selbst habe nichts gegen Kinder, aber sie sollten eben nicht dort spielen, wo sich die Natur gerade mühsam berapple. „Vielleicht in zwanzig Jahren“, wenn der dortige Wald mehr Zeit zur Regeneration gehabt habe. Nach einem alternativen Standortvorschlag gefragt, nennt er spontan das Gelände westlich des Zeppelindamms bei den Kleingärten.

Anlass für Pro Grüns Kritik ist das von Verwaltung und Biologischer Station erarbeitete Handlungskonzept „Wildnis für Kinder“. Es will den hiesigen Stadtkindern eine möglichst urwüchsige Wildnis bieten. Zum Naturschutz heißt es im Konzept: „Bauliche dauerhafte Anlagen, wie Buden und Schuppen, wie man sie von Abenteuerspielplätzen kennt, wird es in den Naturerfahrungsräumen nicht geben, so dass keine Konflikte mit dem Naturschutz bestehen.“

 
 

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