Mit dem Sterben umgehen

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Ihr erster Einsatz endete am Montag. Kein fröhliches Ende, das ist im Hospizdienst ausgeschlossen – die alte Dame, die Nicole Perlitius eine Woche lang begleitet hatte, starb vor drei Tagen. Trotzdem sagt die Ehrenamtliche: „Das war nicht schwierig für mich, ich habe das gut aufgenommen.“ Der Kurs, in dem sie auf ihre neue Aufgabe vorbereitet worden ist, habe ihr sehr geholfen. „Der war 1000-prozentig wichtig. Ich habe gelernt, mit dem Sterben umzugehen.“

41 Männer und Frauen begleiten im Auftrag des Wattenscheider Hospizvereins schwerstkranke Menschen auf deren letztem Weg. In einem sechsmonatigen Kurs haben sich sechs neue Ehrenamtler nun mit dem Umgang mit dem Tod beschäftigt. „Den Tod zu verarbeiten, heißt nicht, nicht mehr traurig zu sein“, sagt Christel Müller-Ovelhey, die den Kurs für den Hospizverein koordiniert hat. „Es geht darum, dass das Leben weitergeht.“

Nicole Perlitius wurde ziemlich schnell zu der alten Dame geschickt, die ihre letzten Wochen in einem Pflegeheim verbracht hat. Am ersten Tag begleitete die 43-Jährige einen routinierten Ehrenamts-Kollegen, fortan besuchte sie die kranke Frau alleine. Hielt ihr die Hand, redete mit ihr. „Es war wichtig, dass sie spürte, dass jemand bei ihr war“, sagt Müller-Ovelhey. Die Dame sei bereit gewesen, zu sterben – für Nicole Perlitius wirkte das sicher erleichternd. Zum Schluss habe sie die Nahrung verweigert, nur noch mal ein Eis essen wollen. „Angehörige würden immer gerne etwas tun“, sagt Müller-Ovelhey. „Aber manchmal geht es nicht darum, etwas zu tun, sondern etwas zuzulassen.“ Schwieriger – auch für die Ehrenamtler – verhalte es sich mit Patienten, die nicht sterben wollen.

Perlitius’ Kollegin Christa Schult steht der erste Einsatz noch bevor. Auch sie hat sich ein halbes Jahr lang darauf vorbereitet. Sie sei „schon unsicher, was auf mich zukommt. Aber ich denke, wir sind gut vorbereitet worden.“ Wie die anderen 40 Ehrenamtler des Hospizvereins wird sie ab jetzt mindestens sieben Stunden im Monat für Todkranke da sein. Schon lange habe sie sich mit dem Gedanken getragen, Zeit für den Hospizdienst aufzuwenden, jedoch die aufwendige Ausbildung gescheut. Der Kurs umfasste 100 Stunden. Seit Oktober hatten sich die sechs Freiwilligen damit beschäftigt, was aktives Zuhören und Hinschauen ausmacht, wann Nähe und wann Distanz geboten ist und Sterbende sich mitteilen.

Verbindung schaffen

Ein zeitlich wie mental intensives Programm. Christa Schult ist trotzdem „heilfroh, dass ich es gemacht habe“. Das Alter spielt für dieses Ehrenamt übrigens keine Rolle. Der Hospizverein bemüht sich um ein möglichst breites Spektrum. Denn es sei gut, wenn Sterbende und Begleiter sich über bestimmte Musik oder historische Ereignisse unterhalten könnten, so Geschäftsführer Siegfried Schirmer. Und wenn sie beide den alten Metzger Meier oder Schlosser Schmidt kennen – „das schafft eine Verbindung“.

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