Marie-Luise brütet im Pflanzkübel

Ellen Wiederstein
Marie-Luise hockt tief im Pflanzkübel und riskiert hier einen kecken Blick. Fotos:Jungius
Marie-Luise hockt tief im Pflanzkübel und riskiert hier einen kecken Blick. Fotos:Jungius
Ente hockt auf neun Eiern auf Dachterrasse. Bewohner kümmern sich rührend

Wattenscheid.  Ein Vatertag mit Folgen: Uwe und Carolin Jungius werden nämlich Pateneltern. Auf ihrem Balkon in der sechsten Etage des Gertrudenhofs, hoch über den Dächern Wattenscheids, hat sich Marie-Luise niedergelassen. Samt ihrer Brut. Die Ente hockt auf neun Eiern. „Immer wieder fliegt sie mal kurz weg und trifft ihren Erpel“, hat Uwe Jungius festgestellt. Der sitze ein paar Flugmeter weiter irgendwo im Garten, komme aber bisher nicht auf den Balkon, um seine angehende Familie zu besuchen.

Nun: Kein Krimi kann spannender sein. Das Ehepaar schaut immer wieder auf der Dachterrasse nach, wie es um Marie-Luise steht. Uwe Jungius: „Vatertag haben wir die Terrasse gekärchert und auch den Pflanzenkübel weggezogen, um die Ecke zu reinigen. Da ist uns noch kein Gelege aufgefallen.“ Am Abend aber bewegte sich plötzlich etwas. Das war Marie-Luise; so haben die Jungius die Ente getauft. Als sich die Entendame brutfrei gegeben hat und über den Balkon gewatschelt ist, konnte das Ehepaar Jungius das Gelege erspähen.

„Wir wohnen hier seit 19 Jahren, aber bisher hat hier noch nie ein Tier gebrütet“, so Jungius. Nun macht sich das Ehepaar Sorgen, was denn weiter geschehen soll. Auf dem Balkon gibt es natürlich keinen Teich. Auch könnten die Kleinen bei ihren ersten Geh- oder Flugversuchen in die Tiefe stürzen.

Uwe Jungius hat sich schon etwas kundig gemacht. „Enten sind Nestflüchter. Sie machen sich also selbst auf den Weg.“ Zudem weiß er, dass die Brutzeit etwa drei bis vier Wochen beträgt. Es werde Zeit, meint Jungius, „dass wir etwas unternehmen.“ Er weiß auch schon, was zu tun ist. „Wir werden den Naturschutzbund anrufen und um Rat bitten.“

Ehepaar Jungius hat direkt neben dem Pflanzkübel eine große Schale mit Wasser aufgestellt. Hier taucht Uwe Jungius ab und zu mal ein bisschen Toastbrot ein und füttert Marie-Luise. Die ist zutraulich, kennt das Ehepaar mittlerweile und weiß wohl ganz genau, dass sie und ihre Brut nichts zu befürchten haben. Keck schnappt sie Jungius das Weißbrot aus der Hand. Das Entenweibchen ist nur schwer auszumachen, insofern auch vor tierischen Feinden wohl ziemlich sicher. Uwe Jungius meint, dass das ein Grund sein könnte, warum sie sich mit ihrem Gelege in den Kübel gepflanzt hat.

Nur wenn man die Büsche des Strauchs beiseite schiebt, ist Marie-Luise zu sehen. Sie sitzt tief im Kübel, schaut nur ab und an mit dem Kopf heraus.

Uwe Jungius: „Wer weiß, ob ihr das Nest nicht so gut gefallen hat, dass sie im nächsten Jahr wieder hierher kommt...“