Kult-Kneipe im Bahnhof schließt

Der Wattenscheider Bahnhof steht zum Verkauf. Das „Charivari“ schließt Ende März.. Foto:Gero Helm
Der Wattenscheider Bahnhof steht zum Verkauf. Das „Charivari“ schließt Ende März.. Foto:Gero Helm
Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool
Pachtvertrag des „Charivari“ mit der Deutschen Bahn läuft Ende März aus.Immobilie steht zum Verkauf. Zum Schluss rocken noch einmal viele Bands

Ab sofort startet der „Time to say Goodbye“-Countdown in der Kult-Kneipe „Charivari“ im Wattenscheider Bahnhof mit vielen Top-Bands. So heißt es im sozialen Netzwerk Facebook. Und weiter: „Wie Ihr wisst, schließt das Charivari Ende März.“ Schier eine Schocknachricht – gleichermaßen für das Publikum und auch die Bands, die gern im „Charivari“ zu Gast sind. Das Lokal schließt, weil „der Vertrag von beiden Seiten aus – also der Deutschen Bahn und uns – beendet wird“, sagt Inhaberin Monika Ortmann. „Das Objekt soll freigezogen werden, weil der Bahnhof zum Verkauf steht“, so die Pächterin. Die Verträge, die das „Charivari“ mit der Bahn hatte, waren immer kurzfristig.

Eine Stellungnahme der Deutsche Bahn AG in Düseldorf bzw. der Bahnflächenentwicklungsgesellschaft NRW mbH in Essen, die in diesem Bereich den Vertrieb für die Deutsche Bahn übernimmt, war bis zum Redaktionsschluss nicht einzuholen.

Auch auf der politischen Ebene nimmt das Thema Bahnhof wieder Fahrt auf. Die Stadt sei an einem Kauf der Immobilie nicht interessiert, wie SPD-Landtagsabgeordneter Serdar Yüksel mitteilt. „Es gibt mehrere private Investoren, die sich vorstellen könnten, die Empfangshalle zu kaufen“, so Yüksel. Dass die Empfangshalle dann weiterhin öffentlich zugänglich sei und der Weg zu den Gleisen nicht versperrt werde, muss als Voraussetzung für einen Verkauf gelten. Wer den Bahnhof daher übernehme, ob ein privater Investor oder die öffentliche Hand, sei dahingehend einerlei. Für Yüksel steht fest: „Wir werden am Ende mit jedem privaten Besitzer besser klarkommen, als jetzt mit der Bahn.“

Derweil wird auf Facebook gepostet: „Natürlich sind auch unsere Helden am Start. Am Freitag, 5. Februar, spielt Jo Hartmann. Seid dabei und helft mit, diesen großartigen Laden gebührend zu verabschieden.“ Und: „Leider schließt diese alteingesessene Live-Kneipe Ende des ersten Quartals 2016. ,Powerage’ ist am Samstag, 30. Januar, dabei. Wir sind stolz drauf...“

Die Wattenscheider Band „Simply Seven“, die gerade erst vor ausverkauftem Haus gerockt hat und die erste Band ist, die überhaupt im „Charivari“ aufgetreten ist, gibt am Samstag, 5. März, ihr Abschlusskonzert unter dem Motto „17 Jahre Charivari“.

Gleichfalls traurig ist die Cover-Band „Pay Attention“. Gitarrist und Sprecher der Stadt Bochum, Thomas Sprenger, bedauert die Schließung: „Das Charivari ist weit über Wattenscheider und Bochumer Grenzen hinaus bekannt und geschätzt als wunderbarer Ort für Live-Auftritte.“ „Pay Attention“ spielt am Samstag, 19. März, wahrscheinlich als letzte Band, im Charivari.

Monika und Manfred Ortmann sind in Wattenscheid alteingesessene Gastronomen. Sie eröffneten 1983 das „Baguette“ an der Otto-Brenner-Straße, zogen dann mit dem Namen „Baguette“ um an die Voedestraße, eröffneten 1990 die „Destillery“ an der Ecke Swidbert-/Hochstraße und gingen im Februar 1999 in den Bahnhof, um die Live-Musik-Kneipe „Charivari“ zu betreiben. Was Monika und Manfred Ortmann nach der „Charivari“-Schließung machen werden, „wissen wir noch nicht“.

 
 

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