Kulinarisches aus der Kanone

Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool

Wattenscheid..  „Ohne Mampf kein Kampf“ lautet ein altes Sprichwort. Und das gilt nicht nur für die Bundeswehr, sondern auch für Floriansjünger. Denn „Retten, Löschen, Bergen, Schützen“ kostet Kraft, eine Stärkung zwischendurch muss sein.

Um die Versorgung der Blauröcke im Ernstfall sicherzustellen, rief die Feuerwehr Bochum im August 2011 die „Sondereinheit Verpflegung“ (SE-V) auf den Plan. Seitdem trifft sich die Gruppe von derzeit neun Männern und einer Frau, Corinna Damwerth, jeweils am zweiten Freitag eines Monats zum Übungsabend in den Räumen der Freiwilligen Feuerwehr Günnigfeld.

Doch war der Verpflegungstrupp auch schon aktiv im Dienst, allein im vergangenen Jahr konnten über 4000 Menschen versorgt werden. „Wenn mindestens 75 Feuerwehrleute vor Ort sind oder der Einsatz über mehrere Stunden und Tage geht, werden wir hinzu gerufen“, erklärt Einheitsführer Markus Bisplinghoff (45).

Mit dem Feldkochherd, der so genannten Gulaschkanone, und einem umgebauten Löschfahrzeug fahren die Feuerwehrleute dann zum Einsatzort und verteilen dort eine warme Mahlzeit. Früher kam das Essen aus dem Krankenhaus oder der Pommesbude, heute rückt die Verpflegungseinheit an. „Wir dürfen allerdings nur Konserven, Würstchen und Brötchen anbieten. Doch könnten wir eigentlich sogar ganze Menüs zubereiten.“ Der gasbetriebene Feldkochherd hätte die passende Ausstattung dazu, aber es fehlt eine adäquate Küche am Einheitsstandort, um alles ordnungsgemäß vorzubereiten.

Einen gelernten Koch gibt es in der Verpflegungseinheit zwar ebenso wenig, dafür aber ein umso größeres Engagement. Die meisten Mitglieder rekrutieren sich aus den einzelnen Ehrenabteilungen der Löschzüge, sind zwischen 42 und 81 Jahre alt. Nicht nur Markus Bisplinghoff, der seit 27 Jahren der Feuerwehr Günnigfeld angehört, stammt aus der Einheit im Wattenscheider Norden. Daher war die Standortfrage schnell geklärt, und die damals neue Runde fand ihren Platz hinter der Grundschule an der Marktstraße.

Für die Spezial-Blauröcke stehen seit ihrer Gründung aber nicht nur Löscheinsätze auf dem Programm. So versorgte die Verpflegungseinheit etwa auch Anwohner, die nach dem Bombenfund vor gut vier Monaten in Höntrop zeitweise evakuiert werden mussten. Bei den Unwettern im Juni wurde die Truppe außerdem verständigt, gerade im Bochumer Osten und Süden kam es zu insgesamt 428 Einsätzen – die SE-V ist generell stadtweit zuständig. 2012 verteilte die Gruppe an einem Tag rund 400 Essen an Asylbewerber in Dortmund, hochgerechnet gingen im vergangenen Jahr mehr als 1200 Arbeitsstunden auf ihr Konto.

Im Fall der Fälle könnte die Einheit sogar nicht nur Mahlzeiten ausgeben: Eine minimale Löschausrüstung liegt im Einsatzwagen direkt neben dem Fleischwolf immer parat.

Mitstreiter gesucht

An der Böckenbuschstraße 2 in Günnigfeld kommt die SE-V an jedem zweiten Freitag eines Monats zwischen 19 und 21 Uhr zusammen; 23 427. Interessierte können vorbeischauen oder sich im Internet auf der Seite www.sev-bochum.de informieren.

Ältere Floriansjünger können bei der SE-V weiter in der Feuerwehr aktiv bleiben. Auch wer beruflich eingespannt ist und nicht so viel Zeit mitbringt, sei willkommen. „Denn bei uns muss niemand durch die Grundausbildung. Ein Gesundheitstest reicht aus“, sagt Markus Bisplinghoff.

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