Klaus Voormann gibt Einblicke in die Rockgeschichte

Christopher Becker
Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool
Sie sind mit der Kirche von St. Nikolaus groß geworden, genauso wie mit der Musik der Beatles. So schloss sich für viele Westenfelder am Wochenende der Kreis, als der „fünfte Beatle“ Klaus Voormann die Ausstellung „Remember Revolver“ persönlich eröffnete.

Wattenscheid. Nicht wenige Besucher – inzwischen eher grau meliert, denn unerschütterlicher Pilzkopf – blickten dabei noch einmal zurück in eine Epoche, in der die Band aus Liverpool so etwas wie eine Art Ersatzreligion war. BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken und Voormann – die beiden sind seit vielen Jahren befreundet – plauderten auf der Bühne ebenso munter wie ungezwungen drauf los und reihten sich in die Zeitreise mit ein. Die Gelegenheit, sich in das Gespräch zu hängen: „Welcher Star war wie drauf? Hatte der Künstler Voormann bei der Gestaltung der Plattencover für die Beatles freie Hand? Ist der Rock ‘n Roll heute zu unpolitisch?“ – Die Wattenscheider waren begeistert, einem Grammy-Gewinner und einem Echo-Preisträger gleichzeitig näher zu kommen.

Rockhistorie an Kirchenmauern

Schnell auf „Du und Du“ war Klaus Voormann allerdings anzumerken, dass er nicht gerne in der ersten Reihe steht – wie er es selbst auch formulierte. Seine sanfte Stimme ging in der Kirche fast unter, doch die Bilder sprachen und sprechen für sich: Mit seinem neuesten Malzyklus „Hamburg Impact“ illustriert Voormann den Einfluss der Beatles und weiterer britischer Rockgruppen in der Hansestadt zu Beginn der 60er Jahre. Diese Werke sind erstmals überhaupt zu sehen. Daneben eine Auswahl von Illustrationen, Kunstdrucken, Grafiken und Radierungen. Die Kirchenmauern stemmen 50 Jahre Rock- und Pophistorie, besonders die fotorealistischen Bilder wirken wie eine Zeitmaschine und lassen tief in die Geburtsstunde der Populärmusik blicken. Die Ausstellung, organisiert und durchgeführt von „Prinzip Hoffnung e.V.“ zum Erhalt der kirchlichen Gebäudestruktur an der Westenfelder Straße, ist bis zum 30. Mai, jeweils mittwochs, samstags und sonntags von 15 bis 19 Uhr, geöffnet. Und ein absoluter Glücksfall für St. Nikolaus und die Hellwegstadt.

Rund eine halbe Stunde dauerte der Talk im Rahmen der Vernissage. Anschließend signierte Voormann Platten, Bücher und Bilder. Die meisten der fast 200 Gäste konnten nicht gehen, ohne sich ein persönliches Andenken zu sichern.

Doch so oder so wird der Abend in Erinnerung bleiben. In Kürze wird die Kirche von St. Nikolaus profaniert und damit zur Geschichte. Das, was die Beatles längst sind. Womit sich nicht nur der Kreis, sondern ein ganzes Kapitel für viele Westenfelder schließt.