Kinder büffeln freiwillig Deutsch

Eine Gruppe von Flüchtlingskindern lernt Deutsch – mit gestifteten Lehrmaterialien. Fotos:Olaf Ziegler
Eine Gruppe von Flüchtlingskindern lernt Deutsch – mit gestifteten Lehrmaterialien. Fotos:Olaf Ziegler
Foto: FUNKE Foto Services / Olaf Ziegler
Ehrenamtliche bieten in der Gemeinde St. Johannes in Leithe regelmäßig Sprachlerngruppen für kleine Leute und erwachsene Frauen an

Eigentlich könnten die Kinder draußen spielen, es ist zwar kalt, aber trocken und sogar sonnig. Tun sie aber nicht. Sie stehen – Oma würde sagen brav, artig und wohlerzogen – vor dem Pfarr- und Jugendheim der kath. Gemeinde St. Johannes in Leithe und warten auf ihre Lehrer/innen. Auf die, die ihnen die deutsche Sprache beibringen. Die Kinder – zwischen vier und zwölf Jahren – wohnen an der Hohenstein- oder Heimstraße und auch in der Hollandschule an der Fröbelstraße. Regelmäßig – immer dienstags – kommen sie um 17 Uhr zur Kemnastraße, wollen lernen.

Nun, Motivation dazu gibt es für sie genug. Nicht nur die Aussicht darauf, bald mit dem Kumpels in der Schule oder im Kindergarten besser sprechen zu können, sondern auch ein Lernset mit Buch, Hörstift – Ting-Stift, der Audioinhalte aus Büchern, Spielen und Globen mit Hilfe des auf dem Stift installierten Programms speichern und abspielen kann – und Kopfhörer. Die Firma Deichmann hat der Johannes-Gemeinde zehn solcher Lernsets geschenkt. Zudem hat das Bistum Essen Gelder aus dem Flüchtlingsfonds locker gemacht.

Pauken mit Buch und Ting-Stift

Nicht nur auf die Kinder ist Verlass, ebenso auf die Lehrerinnen. Marie (16) und Sophie (16), Freundinnen und Schülerinnen des Hellweg-Gymnasiums, helfen genau so wie Christa Wiegel (74) und Sabine Pischel (47). „Ich habe aus dem Gemeindebrief erfahren, dass es in St. Johannes eine Lerngruppe gibt und dafür auch Ehrenamtliche gesucht werden“, sagt Sabine Pischel. „Hier setze ich gerne ein Stück meiner Freizeit ein. Es macht Spaß, mit den Kindern zu arbeiten, vor allem, wenn man die Lernerfolge sieht.“

Und die sind bemerkenswert. Die Kinder, die schon schreiben können, bringen Gelerntes in einem Heft zu Papier. Die Lehrerinnen kontrollieren das Geschriebene. Die Jüngeren hören einfach per Ting-Stift und sprechen nach. Alle sehen auf den Bildern im Lehrbuch, welcher Begriff gemeint ist: ob der Hund, die Eltern oder die Tasse. In unterschiedlichsten Dialekten werden „Hund“, „Eltern“, „Tasse“ gesprochen. Die Kinder kommen etwa aus dem Kosovo, aus Albanien, dem Irak oder Syrien.

Zur gleichen Zeit werden die Mütter oder Frauen, die Deutsch lernen wollen, unterrichtet. Ein pensioniertes Lehrerehepaar aus Leithe, das nicht namentlich genannt werden will, bringt seine Erfahrungen mit. Ebenfalls immer dienstags sitzen sie in einem anderen Raum mit den Frauen zusammen und lehren die deutsche Sprache. Beide sind begeistert: „Jetzt sollte eine Spielaktion stattfinden. Die Frauen wollten nicht. Ihnen war das Lernen wichtiger.“

Die Angebote für Flüchtlinge stehen und fallen hier mit der Kirche. Gemeindereferentin Anke Wolf: „So soll Kirche sein und leben. Offen für alle. Die Kirche ist für die Menschen da.“

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