Kein lokaler Kaffee im Rathaus

Zwischenstation der Fairtrade-Radtour an der Friedenskirche: Frank Althaus, Dr. Ernst Kratzsch und Gabriele Rebbe (v.l.). Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Zwischenstation der Fairtrade-Radtour an der Friedenskirche: Frank Althaus, Dr. Ernst Kratzsch und Gabriele Rebbe (v.l.). Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
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Wattenscheid. Mit einer Radtour vom Bochumer Rathaus über Wattenscheid zurück zum Startpunkt hat die Eine-Welt-AG Wattenscheid gestern die bundesweite „Faire Woche“ eingeläutet, die auf den fairen Handel und seine Ziele aufmerksam machen möchte.

„Diejenigen, die uns Genussmittel wie Kaffee oder Schokolade zur Verfügung stellen, sollen davon auch gut leben können“, bringt Gabriele Rebbe von der Eine-Welt-AG die Ziele des fairen Handels auf den Punkt. Es sei doch unsinnig, den Bauern in Entwicklungsländern nur einen Hungerlohn zu zahlen, um die Hungernden später mit Spenden zu unterstützen.

Für einen prominenten Mitradler – Stadtbaurat Dr. Ernst Kratzsch – gab’s beim Zwischenstopp in der Friedenskirche einen heftigen Wink mit dem Zaunpfahl: Er bekam einen ganzen Satz leerer Tüten des fair gehandelten und in den Werkstätten Gottessegen in Günnigfeld gerösteten „Wat’n Kaffee“ überreicht. „In der Hoffnung, dass demnächst auch einmal gefüllte Tüten ins Bochumer Rathaus kommen“, erklärte Gabriele Rebbe.

Der Hintergrund: Die Stadt Bochum bemüht sich zurzeit auf Initiative der Wattenscheider, Fair-Trade-Stadt zu werden. In diesem Zusammenhang wurde die Lieferung von fair gehandeltem Kaffee fürs Rathaus ausgeschrieben. „Die Werkstätten Gottessegen haben dabei den Kürzeren gezogen, weil es bei den großen Röstereien fair gehandelten Kaffee günstiger gibt“, erklärt der UWG-Vorsitzende Klaus-Peter Hülder. Deshalb werde im Bochumer Rathaus leider kein lokal gerösteter Kaffee ausgeschenkt.

„Im Grunde genommen ist das ein Witz“, kommentiert Hülder, „weil die Bewerbung für die Fair-Trade-Stadt vom Wattenscheider Weltladen ausging.“ Er selbst sei eigentlich davon ausgegangen, „dass mit den Aktivitäten die lokale Szene unterstützt wird“. Zudem seien die Behindertenwerkstätten Gottessegen mit ihrer Rösterei in Günnigfeld um jeden Auftrag verlegen.

Klaus-Jürgen Franke von der Eine-Welt-AG wird noch deutlicher: „Großunternehmen haben fair gehandelte Produkte ohnehin nur als Alibi in ihrer Angebotspalette – 98 Prozent ihrer Produkte sind eben nicht fair gehandelt.“ Enttäuschend sei die Entscheidung der Stadt auch deshalb, „weil der lokal geröstete Kaffee ja sogar von der Bochumer Agenda 21 gefördert wird“.

Auch Gabriele Rebbe zeigte sich enttäuscht: „Ich finde es schade, weil lokale Produkte eigentlich mehr gewürdigt werden sollten.“

 
 

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