Kapelle St. Bartholomäus lädt zum Innehalten ein

Ralf Drews
Die Pilgerstrecke Jakobsweg führt über den Wattenscheider Hellweg, Heinz Kessler mit einer Hinweisplakette vor der Pilgerkapelle St. Bartholomäus.
Die Pilgerstrecke Jakobsweg führt über den Wattenscheider Hellweg, Heinz Kessler mit einer Hinweisplakette vor der Pilgerkapelle St. Bartholomäus.
Foto: WAZ FotoPool

Wattenscheid.  Es ist ein beschaulicher Ort der Ruhe und inneren Einkehr: die kleine St. Bartholomäus-Kapelle am Wattenscheider Hellweg in Sevinghausen. Und zugleich ein geschichtsträchtiger Ort, was Heinz-Werner Kessler besonders beeindruckt. „Ein wichtiger Punkt der mittelalterlichen Entwicklung, der zugleich auch viel über Wattenscheid erzählen kann.“

Um 1395 ist die Kapelle am Hellweg entstanden, der früher eine wichtige Handelsstrecke war. Das Nachbargebäude, das Pilgrimhaus, war noch älter, es wurde 1945 im Krieg zerstört. Gerhard Vinhoven hat die Kapelle 1661 renoviert, das ist auf der Tafel über dem Eingang nachzulesen. Gewidmet ist das Gotteshaus St. Bartholomäus, eine Holzfigur, die den Heiligen zeigt, steht an der rechten Wandseite.

Ihr gegenüber steht die Pilger-Holzfigur von Jakobus – die Kapelle liegt nämlich am Jakobsweg, der im Mittelalter eine beliebte Wanderstrecke nach Spanien war. Ein Teilabschnitt führt, so betont Heinz-Werner Kessler, durch Wattenscheid, über den Hellweg. Ausgiebig hat sich der 62-Jährige – Geschichtslehrer an der Märkischen Schule und Vorsitzender des Heimat- und Bürgervereins Wattenscheid – mit dem Thema Jakobsweg befasst. In der Kapelle steht auch ein Pilgerstab. Erst vor wenigen Tagen aufgestellt wurde vor dem Gebäude ein gespendeter Pilgerstein mit dem markanten Muschel-Zeichen. Wanderer, die auf dem Jakobsweg unterwegs sind, können sich am benachbarten Stalleickenweg einen Pilgerstempel abholen.

Dass viele Besucher einen Abstecher in die Kapelle machen, davon zeugen die Eintragungen in dem Heft neben dem Eingang. Darin wünschen sich die Menschen Gesundheit und Kraft gegen Krankheiten. Nachzulesen ist aber auch Alltagsgeschichte: „Danke für den schönen Schultag.“ Die schwere Eichentür, noch original erhalten, ist täglich geöffnet. Gerne sitzt Heinz-Werner Kessler auch auf der Bank vor dem alten Gebäude, das renoviert ist, aber auch Risse aufweist – vermutlich durch die Erschütterungen des Autoverkehrs.

„Diese Kapelle lädt zum Innehalten ein“, sagt Heinz-Werner Kessler. Besonders beeindruckt hat ihn ein Tagebuch aus dem Jahr 1945, in dem eine Wattenscheiderin ihre Eindrücke von den letzten Kriegstagen und vom Zusammenbruch des NS-Staates festhielt – und die Zuflucht in der Kapelle gesucht hatte. Über den Hellweg kamen dort die Flüchtlinge und die amerikanischen Soldaten vorbei.

Eichentür täglich geöffnet

Kessler blickt gern auch auf die spanische Madonnenfigur an der Stirnseite der Kapelle – sie weist auf den Pilgerweg nach Santiago de Compostela hin. Den Jakobsweg will er auch gehen. In zweieinhalb Jahren, nach der Pensionierung. Eine Auszeit von mehreren Monaten hat er dafür eingeplant.