Journalist Ulrich Sahm sieht keine Chance für Frieden in Nahost

Rolf Schulte
Schüler der Pestalozzi-Realschule in Wattenscheid engagieren sich im Austausch mit israelischen und palästinensischen Jugendlichen. Nahost-Korrespondent Ulrich Sahm war nun bei ihnen zu Gast. Für Frieden sieht er keine Chance.

Wattenscheid. Nachrichten aus erster Hand bekamen die Pestalozzi-Realschüler, die sich im trilingualen Austausch mit israelischen und palästinensischen Jugendlichen engagieren, am Dienstag von Ulrich Sahm (60). Der Journalist und Buchautor mit jahrzehntelanger Erfahrung als Nahost-Korrespondent war an der Graf-Adolf-Straße Gast des „Projektes Herausforderung Zukunft“ und beschrieb seinen Wohnort Jerusalem als „Stadt mit historischer Wucht wie keine andere. Da liegt die Heiligkeit sozusagen in der Luft.“ Er sei von der historischen Wirklichkeit fasziniert, nicht aber von Spielchen und Taktiken aller dort agierenden politischen Kräfte, „da kann es keine Lösung gegeben“, schlussfolgerte Sahm, der sich als „Deutscher mit persönlicher Distanz“ beschrieb. „Ich höre in alle Richtungen.“

Geradezu paradiesische Zustände

Brenzlige Situationen könnten von einer zur anderen Minute entstehen, „aber zurzeit ist es so ruhig wie schon lange nicht mehr“. Wenn man darüber streite, wer denn nun das Urheberrecht auf den Kichererbsenbrei habe, drücke das die geradezu paradiesischen Zustände aus, in denen man heute lebe.

Wesentlich ernster ging er auf die Schülerfrage ein, ob er Chancen für einen Frieden sieht; „ein klares Nein“ und stellte mit Verweis auf Nordirland oder den Balkan gleich eine Gegenfrage: „Habt ihr Hoffnung auf Frieden in Europa?“ Und schob nach: „Ich weiß, das ist viel Stoff zum Nachdenken.“

Die Pestalozzis, die ab Mitte Februar den Gegenbesuch ihrer im vergangenen November gewonnenen neuen Bekannten aus Israel und Palästina erwarten, wollten vom prominenten Gesprächspartner wissen, was er von diesem trilingualen Austausch halte. Sahm bezog sich auf seine Erfahrungen: „Ich bin geprägt durch internationale Begegnungen in der Schulzeit. Ich habe Toleranz gelernt und: Meine Welt ist nicht die Einzige. Je mehr tri- und multi, um so besser ist es.“ Der Kontakt unter den Jugendlichen hat sich seit dem ersten Treff per Internet gefestigt. Jacky (16) berichtet: „Wir schreiben uns über unsere Hobbys, das Wetter – über einfach alles.“

Vermittler zwischen Israelis und Palästinensern

Für die gemeinsame Zeit der Jugendlichen gab der 60-Jährige zwei einfache Empfehlungen: „Ihr habt ihnen viel zu bieten: Zeigt Euer Leben, zeigt Euer Land.“

Der Verein „Begegnungen“, der mit NRW-Unterstützung und Förderung durch die Maffay-Stiftung diesen Jugendaustausch ermöglicht, sieht die jungen Deutschen in der Rolle der Vermittler zwischen Israelis und Palästinensern. Dem kann sich Sahm trotz aller persönlicher und politischer Distanz anschließen: „Das können sie annehmen und ausfüllen. Die Realschüler haben im Nahen Osten zwei Ethnien kennengelernt“, sagte er gegenüber der WAZ. „Jugendliche unter Jugendlichen – das ist extrem wichtig.“

Und bleibt eine Herausforderung für die Zukunft.