Im Singspiel nach Santiago

Redaktion

Wattenscheid. Seit Jahrhunderten führt ein Jakobsweg über den Wattenscheider Hellweg, an dem zunächst die Bartholomäus-Kapelle und später die Kirche St. Maria Magdalena erbaut wurde. In der Ausmalung der Kirche sind heute noch drei stilisierte Muscheln zu sehen, sie beziehen sich damit auf das Zeichen der Jakobspilger. Unabhängig von der Lage am Jakobsweg ist „der Weg nach Santiago“ eine individuelle Erfahrung. Und eine musikalische Umsetzung eines solchen persönlichen Weges nach Santiago brachte jetzt der Effata-Chor aus St. Maria Magdalena in der voll besetzten Kirche zur Aufführung.

Der letzte Wunsch

In dem Singspiel mit Texten von Hermann Schulze-Berndt und Musik von Siegfried Fietz unter der Gesamtleitung von Thomas Krause wird die Geschichte von Jakob vorgestellt, einem ebenso lebensfrohen wie reichen Börsenspekulanten und Spieler. Doch die telefonische Nachricht, dass seine aus Spanien stammende Mutter auf der Intensivstation eines Krankenhauses liegt, bewirkt eine langsame Veränderung: Sie schickt ihn auf den „Camino“, den Weg zum Grab des Apostels Jakobus im spanischen Santiago de Compostela. Als eher glaubensfernen Menschen stellt ihn dieser vielleicht letzte Wunsch der Mutter vor Probleme, denn er bedeutet nicht nur ein karges Pilgerleben, sondern auch die Beschäftigung mit sich selbst, was eine Reflexion abseits von wirtschaftlichen Gütern und die Besinnung auf Werte bedeutet.

Was der Effata-Chor aus diesem Stoff machte, war ein stimmgewaltiges, anrührendes und mitreißendes Stück musikalischen Lebens. Mit erläuternden Monologen von Pastor Dietmar Schmidt und szenischen Darstellungen, in denen Pastoralreferent Ralf Tietmeyer den Jakob spielte, bewegte sich das Thema in eingängigen Melodien und Texten zielsicher von der Bühne zum Publikum.

Verstärkt wurde der Effata-Chor von den „Singin’ Kids“ unter der Leitung von Uta-Maria Beermann und einer perfekten Projekt-Band. Auch ohne das ausliegende Liedheft sprang der musikalische Funke mehrfach auf das begeisterte Publikum über.

„Überall ist Santiago“, „Menschen bauen Brücken“, „Wir sind Pilger“ und „Via Jacobi“ gehören zu den Melodien, die sicher auch in vielen Wochen noch erkannt werden. Die Musik profitierte von den bestens aufgelegten Sängerinnen und Sängern, die ebenso im vielstimmigen Choral wie in tragenden Soli überzeugen konnten.

Lebendiger Gesang und akzentuierte Instrumentalität spielt im Gemeindeleben von St. Maria Magdalena seit vielen Jahren eine entscheidende Rolle. Der Effata-Chor konnte in der Vergangenheit auf einige Erfolge zurückblicken, so zuletzt vor rund zwei Jahren, als das Musical „Hoffnungsland“ aufgeführt wurde. Für eine lange Pause nahm sich der Chor kaum Zeit, denn seit etwa eineinhalb Jahren liefen die Vorbereitungen auf „Santiago“ - sie haben sich gelohnt.

Der Jakobsweg ist eine aus dem Mittelalter stammende Glaubenstradition, aber es wurde deutlich, dass sie nichts an ihrer Bedeutung eingebüßt hat. Daher war es mehr als ein rhetorischer Hinweis von Thomas Krause, der das Publikum mit den Worten verabschiedete: „Und wenn Sie aus der Tür treten, sind Sie schon auf dem Weg nach Santiago.“