Hospizverein sucht Ehrenamtliche

Eine offene Tür und viele offene Ohren hat der Hospizverein für Menschen in ihrer letzten Lebensphase und Angehörige. Die Koordinatorinnnen Christel Müller-Ovelhey (li.) und Brunhilde Duffner (re.) mit der Ehrenamtlichen Karin Koßmann (Mitte). Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool.
Eine offene Tür und viele offene Ohren hat der Hospizverein für Menschen in ihrer letzten Lebensphase und Angehörige. Die Koordinatorinnnen Christel Müller-Ovelhey (li.) und Brunhilde Duffner (re.) mit der Ehrenamtlichen Karin Koßmann (Mitte). Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool.
Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool
Der Hospizverein sucht Ehrenamtliche für die Betreuung von Schwerstkranken und Sterbenden.

Wattenscheid.. Mancher ist als Ehrenamtlicher zu ihnen gekommen, direkt nachdem er seine eigene Trauer überwunden hatte – weil er als Angehöriger erfahren hat, wie sehr die Begleitung durch den Hospizverein ihm selbst geholfen hat. „Es ist eine schwere Arbeit, daran ist nicht zu rütteln“, sagt Hospizverein-Koordinatorin Christel Müller-Ovelhey (52), „aber man hat auch einen großen persönlichen Gewinn davon.“

Immer stärker wird der ambulante Hospizdienst in Wattenscheid in Anspruch genommen: „Im Jahr 2008 waren es noch fünfzig Menschen, die von unseren Ehrenamtlichen in ihrer letzten Lebensphase begleitet wurden“, weiß der ehrenamtliche Geschäftsführer des Hospizvereins, Siegfried Schirmer (66). „2009 und 2010 lagen wir schon bei neunzig, und in diesem Jahr wird die Zahl wohl auf hundert steigen.“ Gleichzeitig stünden immer mehr Ehrenamtliche aus Alters- oder gesundheitlichen Gründen nicht mehr (voll) zur Verfügung. „Deshalb suchen wir dringend neue Ehrenamtliche für den Hospizdienst.“

Was die Ehrenamtlichen erwartet, erzählt Karin Koßmann (72), seit 2007 beim Hospizverein. „Ich hatte in der Zeitung gelesen, dass dort Freiwillige gesucht werden – und nachdem ich aufgehört hatte zu arbeiten, wollte ich noch etwas anderes machen, was dem Geist gut tut, mir gut tut und anderen gut tut.“

Die pensionierte Bankangestellte gerät fast ins Schwärmen, wenn sie von „ihrer Patientin“ spricht. „Sie hat es so toll angenommen, dass sie bald gehen muss. So offen, frei und mutig, wie sie ihr Lebensende annimmt – das überwältigt mich, da kann ich wirklich nur den Hut vor ziehen.“ Und trotz des nahenden Todes hätten sie gemeinsam viel Spaß. „Ich hoffe“, sagt Karin Koßmann, „ich kann später auch so gelassen damit umgehen.“

Dass Schwerkranke und Sterbende viel zu geben haben, weiß auch Christel Müller-Ovelhey, die als Koordinatorin dafür sorgt, dass zwischen Betreuer und Betreutem die Chemie stimmt. „Ich glaube, dass Menschen die sterben, uns ganz schnell die Tür zu ihrem Herzen öffnen. Man spricht gleich über das Wesentliche und verliert sich nicht im Wetterbericht.“ Und Brunhilde Duffner (64), ebenfalls Koordinatorin, ergänzt: „ Ich bin immer wieder beeindruckt, wie viel Vertrauen uns die Menschen schenken.“

Zwischen 38 uns 82 Jahren sind die zurzeit 35 Ehrenamtlichen des Hospizvereins, die aus allen beruflichen Richtungen kommen: Juristen, Lehrer, Hausfrauen, aber auch Pflegekräfte. „Die Menschen, die wir begleiten, kommen schließlich auch aus allen gesellschaftlichen Schichten“, sagt Siegfried Schirmer. „Wir machen ja den Erstkontakt und gucken, welcher von unseren Ehrenamtlichen passt – so wird daraus nicht nur ein Geben, sondern auch ein Nehmen in der Begleitung“, ergänzt Christel Müller-Ovelhey. Nicht zuletzt gehe es bei einer Begleitung auch darum, über den Sinn des Lebens nachzudenken.

Dennoch: „Wir sind kein Trauerverein“, betont Karin Koßmann. „Aber diese Nächstenliebe, die man hier erfährt, die fehlt sonst in unserer Gesellschaft.“ Brunhilde Duffner fügt hinzu: „Es wird viel gelacht, es ist ganz viel Leben bei uns.“ Das mag daran liegen, „dass wir alle für die gleiche Sache im Herzen entflammt sind“, wie es Christel Müller-Ovelhey formuliert: „Für die Liebe zum Menschen – und das erleben Sterbende und Angehörige als ganz, ganz großes Geschenk. Man kann hier viel fürs eigene Leben lernen – wenn man will.“

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