Hier spielt die Musik

Freuen sich über die neue Orgel: (v.li.) Gemeindemitglied Theodor Heroven, Küster Werner Hucke, Kirchenvorstand Dr. Matthias Beenken und Küsterin Helga Hucke. Foto: Olaf Ziegler / WAZ FotoPool
Freuen sich über die neue Orgel: (v.li.) Gemeindemitglied Theodor Heroven, Küster Werner Hucke, Kirchenvorstand Dr. Matthias Beenken und Küsterin Helga Hucke. Foto: Olaf Ziegler / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool / Olaf Ziegler

Wattenscheid.. In der Hitliste romantisch veranlagter Hochzeitspaare steht sie ganz weit oben: die Kirche Herz Jesu in Sevinghausen. Idyllisch gelegen, architektonisch reizvoll, nicht zu groß. Ein ruhiges Nest im Grünen. Aus dem gesamten Ruhrgebiet kommen zahlreiche Paare und Gäste angereist.

„Die Kirche ist sehr beliebt“, sagt Küsterin Helga Hucke nicht ohne Stolz beim Rundgang durch den Sakralbau, in dem derzeit Handwerker das Zepter schwingen. Die katholische Kirche nimmt viel Geld in die Hand für Renovierungsarbeiten, dazu gehört u.a. der Einbau einer neuen Orgel. Eine Investition in die Zukunft – wo renoviert wird, da spielt weiterhin die Musik. Im übertragenen Sinne.

Denn nicht nur dank zahlreicher Ja-Worte und Hochzeitsjubiläen herrscht wieder Leben in dieser ruhigen Kirche am Sevinghauser Weg, die vor Jahren noch angesichts drastisch gesunkener Mitgliederzahlen in der katholischen Gemeinde Sevinghausen Sorgen bereitete.

Im Zuge der Umstrukturierungen durch das Bistum wurde sie Filialkirche von St. Marien, blieb aber von einer Schließung verschont. Seitdem geht es in Herz Jesu mit den Besucherzahlen bei Gottesdiensten, Seniorenkreisen und Chorkonzerten wieder bergauf – auch durch Gäste aus Gemeinden, deren Kirche schließen musste.

Die alte Orgel aus Sevinghausen wurde nach Polen verkauft. Stark renovierungsbedürftig war sie, konnte dort aber kostengünstig instand gesetzt werden. Die Kontakte kamen durch den Orden zustande, an den vor Jahren Pfarrhaus und -haus sowie das umliegende Grundstück der Kirche Herz Jesu verkauft worden ist. Die Kirche selbst gehört der Pfarrei St. Gertrud.

Die neue Orgel, rund 9000 Euro teuer, stammt aus der Kirche Hl. Dreifaltigkeit in Hamme, die aufgegeben wurde. Im Mai 2010 hatte der Kirchenvorstand der Pfarrei St. Gertrud von Brabant den Ankauf der Orgel für die Filialkirche beschlossen. Den Ab- und Wiederaufbau übernimmt die Orgelbaufirma Matthias Gruttmann aus Gelsenkirchen. Zugleich entschied man sich für den Verkauf der alten Orgel an die Gemeinde Sokolany Wojewodschaft Biaiystok beschlossen – über Pater Jan Kaluta von der Societa Christi pro Emigrantibus, der polnischen Immigrantenseelsorge. Im Juli erfolgte dann der Abtransport nach Osteuropa.

Baubeginn für die Kirche in Sevinghausen war im Jahr 1908, vier Jahre später erfolgte die Einweihung. Das Grundstück stiftete damals die Familie Heroven. Zum Abschluss der Renovierungsarbeiten ist im Frühjahr 2011 in der Kirche Herz Jesu ein großer Festgottesdienst geplant, gemeinsam mit Mitgliedern der Gemeinde Hl. Dreifaltigkeit aus Hamme, wo einst die Orgel stand. Organist in Sevinghausen ist Alfons Buschmann aus Leithe. Übrigens: Frank Kühbacher, Organist in der Gemeinde St. Marien, kennt die neue Orgel bestens: Drei Jahre lang hatte er das Instrument in der Kirche Hl. Dreifaltigkeit gespielt.

Die Orgel aus Hamme, 1957 nach den Kriegszerstörungen aufgebaut und rund 36.000 D-Mark teuer, wird jetzt Stück für Stück nach Sevinghausen gebracht und dort installiert. Im Zuge der Renovierung beseitigen Handwerker außerdem den Wasserschaden, die Innenwände erhalten einen Neuanstrich. „Die Kirche wird also kräftig auf Vordermann gebracht, ein positives Zeichen in Zeiten von Kirchenschließungen“, betont Kirchenvorstand Dr. Matthias Beenken.

Eine frohe Botschaft – nicht nur für Heiratswillige.

 
 

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