Heimatmuseum geht nicht ins Netz

Christopher Becker
Bleibt einen Besuch wert, unabhängig vom Auftritt im Internet: das Heimatmuseum Helfs Hof in Sevinghausen. Auch an diesem Wochenende ist die Einrichtung zu besichtigen.
Bleibt einen Besuch wert, unabhängig vom Auftritt im Internet: das Heimatmuseum Helfs Hof in Sevinghausen. Auch an diesem Wochenende ist die Einrichtung zu besichtigen.
Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool

Wattenscheid.  Das virtuelle Museum Helfs Hof scheint vom Tisch. Wie die Verwaltung kürzlich mitgeteilt hat, sei das Projekt für die Stadt sowohl finanziell als auch personell nicht zu stemmen. Gleichwohl wird sie Alternativen einer verbesserten Internetpräsentation prüfen.

Im Kulturausschuss hatte die UWG am 19. Mai angefragt, ob eine Realisierung möglich sei. Konkret hieß es damals: „Auf der Westfälischen Kulturkonferenz am 26. September 2014 wurde das Projekt ,Das virtuelle Museum’ vorgestellt, das das LWL-Landesmuseum für Kunst und Kultur in Münster mit der Westfälischen Wilhelms-Universität entwickelte. Mit Tastatur und Mausklick können am Computer Räume mit ausgewählten Werken aus der Sammlung des Museums besucht werden; unseres Erachtens eine nachahmenswerte Idee.“

Pilotprojekt war kostenneutral

Die UWG wollte daher wissen: „Ist das Projekt der Verwaltung bekannt? Wie bewertet die Verwaltung dieses Projekt? Könnte oder sollte die Idee des virtuellen Museums auch in städtischen Museen angewendet werden (etwa im Heimatmuseum Helfs Hof oder in den Museen im Haus Kemnade)?“

Das Westfälische Museumsamt des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) habe der Verwaltung mitgeteilt, dass durch die Zusammenarbeit mit der Wilhelms-Universität Münster bei dem Projekt „Das virtuelle Museum“ des LWL-Landesmuseums für Kunst und Kultur in Münster im Rahmen einer Forschungsarbeit bis dahin keine Finanzmittel angefallen sind. Das erforderliche Personal sei durch die Universität mit Studierenden und Dozentinnen und Dozenten kostenneutral abgedeckt worden. „Für die IT-Einstellung in das Internet wären wegen der Komplexität Kosten in Höhe von rund 200 000 Euro entstanden. Ein Antrag des LWL beim Land NRW auf eine Förderung von 50 Prozent ist abgelehnt worden. Der LWL hat das Projekt daraufhin eingestellt.“

Zudem hat das Kulturbüro Vor- und Nachteile eines virtuellen Museums in der Mitteilung dargestellt. Im Rahmen der Datenpflege könnten sich etwa Dateiformate zu schnell überleben. Die Kosten für Datenpflege, Aufarbeitung und Software seien nicht unerheblich. Ob bedenkenlos alle Informationen und Bilder im Internet von Seiten des Betreibers des digitalen Museums eingestellt werden dürfen, sei jeweils zu prüfen. Zudem sei offen, wer Hintergrundwissen und Informationen kontinuierlich liefert.

„Durch einen Besuch im digitalen Museum fällt evtl. der Wunsch, dieses Museum persönlich zu erleben, weg. Abnahme der Besucherzahlen könnte die Folge sein. Denkbar ist aber auch der umgekehrte Fall“, spekuliert das Kulturbüro. Die stete Verfügbarkeit sei natürlich von großem Vorteil.