Gotteshaus wird zum Urnengrab

So könnte das neue Innenleben aussehen. Das Bild zeigt ein Kolumbarium auf dem Friedhof Essen-Steele.   Foto: Frank Vinken
So könnte das neue Innenleben aussehen. Das Bild zeigt ein Kolumbarium auf dem Friedhof Essen-Steele. Foto: Frank Vinken
Foto: waz / Frank Vinken

Wattenscheid.. Was da in der alten St. Pius-Kirche entsteht, hat Seltenheitswert – nicht nur in Wattenscheid, sondern in der ganzen Region. Das Gotteshaus, seit Mitte 2008 geschlossen, soll zu einem Kolumbarium werden: Zu einem Platz also, an dem Urnen aufbewahrt werden. Letzte Ruhestätte und Trauerort, St. Pius wäre beides zugleich.

Dieter Wobben vom Kirchenvorstand gab sich wortkarg. Über den aktuellen Planungsstand wollte er am gestrigen Freitag nicht sprechen. Alles Wichtige werde Sonntag (15.) auf der Gemeindeversammlung St. Joseph verkündet. Fest steht aber: Kolumbarien wie das in Sichtweite der Freilichtbühne geplante gibt es im Bistum Essen bisher kaum. In Mülheim-Dümpten wird eine Kirche seit Anfang 2009 als Kolumbarium genutzt. Damals ein Pilotprojekt, doch die Wattenscheider sind offenbar so angetan von dieser Idee, dass auch St. Pius Urnen beherbergen soll.

Mit dem Umbau wurde ein Architekturbüro aus Oberhausen, Funke+Popal, beauftragt. Die Pläne – soweit bekannt – sehen aufwändige Arbeiten vor: Im Kirchenraum werden Stelen installiert, in denen die Urnen beigesetzt werden. Während der ersten Ausbauphase soll Raum für 700 Urnenfächer an den Wänden und 150 in Stelen geschaffen werden. Kosten für die Gemeinde: 220 000 Euro. Später könnten weitere 2000 Fächer entstehen. Eine gute Investition, meinen sie in der zuständigen Pfarrei St. Gertrud von Brabant. Die Einnahmen durch die Vergabe der Urnenkammern sollen die Kosten refinanzieren. Die Pfarrei in Mülheim-Dümpten hat übrigens gute Erfahrungen gemacht. Bei hohem Interesse, ist aus Mülheim zu hören, würden sich die Ausgaben rechnen.

Propst Werner Plantzen war von Anfang an angetan von der Idee, die geschlossene Kirche wiederzubeleben. „Wir möchten mit der Einrichtung der Auferstehungskirche ein deutliches Zeichen setzen, dass ein Begräbnis als würdevoller Abschied vom Verstorbenen erfolgen soll“, hatte er die Vorstellung der Pläne im vergangenen Frühjahr kommentiert. Denn nicht jeder hat Angehörige, die sich jahrzehntelang um die Grabpflege kümmern wollen.

Die Gemeinde reagiert also auch auf die veränderten Bestattungsgewohnheiten. In Wattenscheid und Bochum lag der Anteil der Feuerbestattungen 2009 bei 35 Prozent. Deshalb hat die Stadt schon seit 2006 Kolumbarien auf mehreren Friedhöfen eröffnet – unter anderem in Höntrop.

 
 

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