Geschickte Strategie bringt Billigware an Senioren

Foto: WR

Wattenscheid. Sie wissen wie’s geht, kennen alle Verkaufstricks und wie sie arglose Kunden, meist Senioren, um den Finger wickeln und schließlich übers Ohr hauen. Corinna Kraushaar vom Ordnungsamt war dabei, hat genau mitgehört. In einem Wattenscheider Restaurant (Name der Redaktion bekannt) hat die österreichische Scheinfirma „Salzburger Hofladen“ vergangene Woche zum Kaffee ohne Fahrt eingeladen. Eine Verkaufsveranstaltung, auf der Produkte lediglich vorgestellt und angeblich nicht verkauft werden sollen. Rund 20 Rentner nahmen teil.

Von einer findigen Seniorin, die eine Einladung zu diesem „Wanderlager“ bekommen hat, sei das Ordnungsamt auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht worden. Und Corinna Kraushaar hat sich reingeschlichen. Somit flog diese Veranstaltung auf und das Wanderlager konnte ausgehoben werden. Die Ordnungsfachfrau: „Meistens erfährt das Ordnungsamt von illegalen Veranstaltungen dieser Art erst hinterher.“

Verkäufer sind top geschult

Doch diesmal war es anders. Corinna Kraushaar: „Die Verkäufer sind top geschult. Zunächst gibt es Kaffee und Kuchen für die Gäste – kostenlos. Dann werden die Produkte vorgestellt, in diesem Fall eine Trink-Kur und eine Magnetfelddecke (für knapp 2000 Euro), die so gut gegen Diabetes und Bluthochdruck wirke, dass man seine üblichen Medikamente wegschmeißen kann.“ Der Verkäufer habe mehrfach betont, dass hier nicht verkauft werde. Erst im nächsten Jahr kämen die Waren in die Geschäfte.

Die Ordnungshüterin: „Den Senioren wird der Mund dermaßen wässrig gemacht, dass hinterher alle unbedingt die Produkte haben wollen. Sie bekommen das Gefühl vermittelt, dass sie den Anbieter überreden müssen, ihnen die Ware unbedingt jetzt schon zu verkaufen.“ Als „sagenhaft geschickte Verkaufsstrategie“ habe sie die Veranstaltung empfunden. Der Werbemann habe sich schließlich – nach drei Stunden – „überreden“ lassen, zu verkaufen. Damit schlug die Stunde für das Ordnungsamt.

Nun drohe dem Verkäufer bzw. seiner Firma, wohl einem Versandhandel aus dem Oldenburgischen, ein Bußgeld von bis zu 1000 Euro. Auch gegen Gastwirte könne das Ordnungsamt vorgehen, wenn sie derart unseriösen Veranstaltungen Raum und Platz geben.

 
 

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