Förderturm droht der Abriss

In schlechtem Zustand: der Förderturm der ehemaligen Zeche Holland
In schlechtem Zustand: der Förderturm der ehemaligen Zeche Holland
Foto: WAZ FotoPool
Sanierungskosten viel höher als geschätzt. Stahlkoloss und Fundamente sind laut Gutachten in einem sehr schlechten Zustand.

Wattenscheid..  Er gehört zu den Wattenscheider Wahrzeichen: der Förderturm der ehemaligen Zeche Holland. Eigentlich soll er saniert werden, doch die Kosten sind nach neustem Stand so hoch, dass der Abriss droht.

Experten der Uni Wuppertal begutachteten die Stahlkonstruktion. Ihr Ergebnis: Der Koloss sei in einem sehr schlechten Zustand. Der Zahn der Zeit hat ihm ordentlich zugesetzt. Bei Untersuchungen der Standsicherheit, die Voraussetzung für den Bau des um den Turm geplanten Firmengebäudes waren, stellten die Wuppertaler Gutachter fest, dass die Kerbschlagzähigkeit des Stahls, das Maß für die Spröde oder die Elastizität, weit unter Norm liegt (Normwert mindestens 27, die erreichten Werte liegen bei 3 bis 4). Der Sanierungsaufwand wäre demnach immens – er scheint mindestens doppelt so hoch zu liegen wie geschätzt. Das Land NRW hatte für die Sanierung Fördermittel von rund 1,3 Mio Euro bereit gestellt.

Rettung problematisch

Derzeit lässt sich offenbar nicht darstellen, wie eine eventuelle Rettung des denkmalgeschützten, vor rund 30 Jahren stillgelegten Turms aussehen könnte. Alle Gutachter lehnen eine Prognose oder Berechnung der Standsicherheit, für die es auch keine normgerechten Vorschriften gibt, ab. Damit bliebe nur der Abriss und ein kompletter Neubau des Turms als Alternative. Angeblich ist zudem die erfolgte Verfüllung des Schachtes nach der Stilllegung nicht optimal, so müssten auch noch aufwändige Fundamentarbeiten erfolgen. Jetzt wird über Kosten in Höhe von drei bis vier Millionen Euro spekuliert.

Die städtische Entwicklungsgesellschaft Ruhr-Bochum (EGR) als derzeitiger Besitzer des Turmes will angeblich den Kauf von der NRW Urban (ehemalige Landesentwicklungsgesellschaft LEG) rückabwickeln.

„Förderturm-Sanierung perfekt“ lautete noch vor über einem Jahr die Schlagzeile. Mitte 2012 sollten die Sanierungsarbeiten starten – doch passiert ist nichts. Seit Monaten steht ein großes Schild auf dem Holland-Gelände an der Lyren-straße: „Hier saniert die EGR“. Um den Ist-Zustand zu erfassen, fanden zuletzt umfangreiche Prüfmaßnahmen statt, beschrieb Jan-Robin Schäfer (EGR-Sprecher) noch im Dezember auf WAZ-Nachfrage den Stand der Dinge.

NRW Urban, LEG und der Wattenscheider Unternehmer Werner Ollbrink hatten Ende 2011 die entsprechenden Verträge unterschrieben. Das „Dreiecksgeschäft“ sah so aus: Werner Ollbrink gründete die gemeinnützige Stiftung „Förderturm Zeche Holland“, die den Turm nach der Sanierung übernehmen soll. Die EGR hat den rund 50 Meter hohen Stahlkoloss von NRW Urban übernommen.

 
 

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