Feuerwehr rückt auch für Fans aus

Bengalos im Fanblock.
Bengalos im Fanblock.
Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool

Wattenscheid..  Nieselregen, ein kühler Wind fegt im Lohrheidestadion über die Osttribüne, auf der es später hitzig wird. Dort haben sich die Schlachtenbummler von Rot-Weiß Essen aufgebaut, angereist mit viel Wut im Bauch nach zuletzt desolaten Leistungen ihrer Regionalliga-Elf. Zu Beginn des Spiels gegen VfL Bochum II ist davon aber nicht viel zu spüren, auch die Freiwillige Feuerwehr Wattenscheid-Mitte nimmt erst mal Platz. Die Sicherheitswache startet ruhiger als erwartet.

„Wir hatten mit mehreren Tausend Fans gerechnet. Jetzt sind es nur 800. Einerseits ist so was langweiliger, andererseits passiert weniger“, schildert Gruppenführer Jan Jendruck seine ersten Eindrücke.

Er steht den Abend über mit Einsatzleiter Stefan Nowak von der Berufsfeuerwehr in Kontakt, um mögliche Maßnahmen abzusprechen. Mit acht Floriansjüngern ist die Löscheinheit Mitte vor Ort, sechs Einsatzkräfte gelten als Richtwert. „Wir wehren sozusagen den ersten Angriff ab“, sagt der 25-Jährige. Vor allem das Löschen von bengalischen Feuern gehört bei den Sicherheitswachen zu den Hauptaufgaben. Zu einem größeren Einsatz im Lohrheidestadion musste die Einheit dagegen vor kurzem erst gerufen werden, nicht jedes Spiel wird per se als risikoreich eingestuft. Innerhalb von fünf Minuten erreichten die Feuerwehrleute jedoch ihre Wache an der Grünstraße, waren kurz darauf an der Lohrheide. Mit Polizeigeleit ging es ins Toilettenhäuschen hinter der Gästekurve, wo ein Mülleimer brannte. „Nach dem Löschen haben wir die Brandwache übernommen. Bei gewissen Alarmstufen oder wenn die Einsatzkräfte nach den Löscharbeiten noch gebunden sind, werden auch wir neben der Berufsfeuerwehr gerufen“, erklärt Jendruck.

Feuer im Stadion

Doch nicht nur Veranstaltungen im Lohrheidestadion, das zum Ausrückgebiet gehört, stehen bei der Löscheinheit Mitte an. Spezialaufgabe im Fall der Fälle ist die schnelle Hilfe bei einem Massenanfall von Verletzten (ManV). In dem Zusammenhang übernahmen sie z.B. einen Bereitschaftsdienst beim Weltjugendtag in Köln oder bei der Fußball-WM 2006. Im Zweifel müssen sie die Rahmenbedingungen schaffen, dass 50 Verletzte pro Stunde autark versorgt werden können. Brände löschen, umgestürzte Bäume, vollgelaufene Keller: Auch dafür ist man zuständig. „Während des Sturms Kyrill etwa waren wir vier Tage im Dauereinsatz“, blickt Unterbrandmeister Olaf Henkel zurück.

Im Lohrheidestadion bleibt es friedlich. Bis zur 60. Minute. Fans im Gästeblock zünden grelle bengalische Fackeln mit rotem Licht. Dichter Rauch steigt unters Dach der Osttribüne. Die Staffel hält die Situation von der Tartanbahn aus im Blick, hat Sand und eine Gel-Masse zum Löschen parat. „Denn Magnesiumfackeln brennen unter Wasser weiter“, sagt Brandmeister Jendruck. Entgegen der sonstigen Praxis fliegen die Fackeln aber nicht Richtung Platz, erlöschen und verschwinden in der Menge. Keine Verletzten.

Bis zum Abpfiff gibt es keine weiteren Probleme. Gut so, findet Olaf Henkel: „Am schönsten sind Einsätze, bei denen niemand verletzt wird und wir das erlernte Wissen trotzdem einsetzen können.“

Der Löschzug Wattenscheid-Mitte wurde bereits 1869 gegründet. Der Übungsdienst findet mittwochs von 19 bis 21 Uhr statt (Treffen Wache Grünstraße 31-37). Infos gibt es unter www.le13.de oder bei dem Einheitsführer Tobias Ludwig unter 0170/2870802. Neue Gesichter sind jederzeit willkommen.

 
 

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