Ein Forum für die Jugend

Foto: ddp

Wattenscheid.. Was die Jugend denkt, fühlt, in welcher Welt sie lebt: Fragen, denen es auf den Grund zu gehen gilt. Das machen Andreas Klink und Dr. Artur Nickel in der siebten Auflage der Essener Anthologien. Erneut haben die beiden Herausgeber Heranwachsende aus dem Ruhrgebiet darum gebeten, ihre Sicht der Dinge darzulegen. Im Gespräch mit WAZ-Mitarbeiter Christopher Becker schildert der Höntroper Artur Nickel (56), was dabei herausgekommen ist.

Sie sind selbst Vater von zwei Kindern. Wie sehen Sie die Welt der Jugend?

Nickel: Meine Tochter ist 18 Jahre alt, mein Sohn 13. Wenn ich mir die beiden anschaue, sehe ich, wie sie zu kämpfen haben. Es bestehen große Anforderungen von Außen und jeder sucht seinen Weg und seine Identität.

Wie helfen Sie dabei?

Wichtig sind Gespräche. Ich suche den Kontakt, Meinungsunterschiede können dabei vorkommen. Jugendliche sollten aber auch Dinge ausprobieren können, dafür sind wiederum Räume nötig.

Decken sich denn Ihre Eindrücke als Vater mit denen als Lektor?

Es gibt Übereinstimmungen. Jugendliche sind in ihren Welten unterwegs, nur manchmal stoßen sie auf Erwachsenenwelten. Die Vielfältigkeit der eingereichten Texte ist dahingehend überraschend. Ich wusste zwar, dass junge Menschen in verschiedenen Welten unterwegs sind, habe aber nicht damit gerechnet, dass es so viele gleichzeitig sind.

Was sind das denn für Welten?

Traumwelten und reale, positive und negative. Man weiß ja nicht, woran ein Jugendlicher gerade denkt, wenn er vor einem sitzt. Vielleicht ist er in einer bestimmten Welt mit mir verbunden, aber gedanklich woanders. Nur wenn Heranwachsende das zum Ausdruck bringen, ist es auch fassbar.

Hilft das Buch dem Lehrer Artur Nickel weiter?

Ja. Als Pädagoge hole ich die Jugend dort ab, wo sie ist. In den verschiedenen Kulturen zum Beispiel, oder in einer Krise. Man stößt in jungen Jahren schnell an seine Grenzen. Macht das Leben einen Sinn und soll ich überhaupt weiter leben? Was ist mit meiner Zukunft? Verzweiflungsstürme, die nur manchmal nach Außen treten.

Sind die Anthologien dafür ein Ventil?

Auf jeden Fall schlicht eine Möglichkeit, sich auszudrücken. Kein psychologisches Programm, aber eine Chance, die Dinge zu reflektieren. Jugendliche sind, auch aufgrund ihrer Kulturen, in eigenen Welten unterwegs, doch die Türen sind offen. Es gibt die Möglichkeit, dort hineinzuschauen, zum Dialog. Aber wenn man dort zu Gast ist, sollte man sich benehmen.

Das heißt für die ältere Generation konkret?

Jugendliche gestalten ihre Welten bewusst und sind bereit, sich einzubringen. In den Beiträgen formulieren die Heranwachsenden sprachlich ihre Welt. Sie müssen aber geachtet werden. Fehlenden Respekt schildern die Texte auch. Es muss daher dem Raum gegeben werden, was sich entwickelt. Etwas lernen müssen gehört natürlich genauso dazu.

Umgekehrt: Wie blickt denn die Jugend auf die Welt der Erwachsenen?

Erstaunlich positiv. Die Welt der Erwachsenen gibt Raum, den sie brauchen. Für Demokratie, für die Persönlichkeit: Sie lernen dort, oft jedenfalls. Eine Tendenz der Dankbarkeit ist da, obwohl man individuell hinschauen sollte.

In der siebten Auflage – welche Entwicklung haben die Anthologien bis heute genommen?

Es ist wichtig, dass junge Menschen ein solches Forum haben. Sie sollten schreiben, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, was ihnen auf dem Herzen liegt, mitteilen können. Denn da sind sie Fachleute. Ich finde es klasse, dass sich so viele junge Menschen finden, die sich einbringen. Denn allen Schwierigkeiten zum Trotz ist jeder Jugendliche ein toller Mensch. Als Lehrer sage ich das mit einem lachenden, und mit einem weinenden Auge.

 
 

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