Ehrenmal steht zur Diskussion

Das Ehrenmal am Bußmanns Weg ist derzeit abgesperrt. Im Hintergrund sind die Schäden am deutlichsten zu erkennen. Ab 2016 fließen Fördergelder, um die gesamte Parkanlage auf Vordermann zu bringen.
Das Ehrenmal am Bußmanns Weg ist derzeit abgesperrt. Im Hintergrund sind die Schäden am deutlichsten zu erkennen. Ab 2016 fließen Fördergelder, um die gesamte Parkanlage auf Vordermann zu bringen.
Foto: Becker
Bau stammt aus der Nazi-Zeit. Grüne Jugend fordert Umwidmung zu „einem Ort antifaschistischen Gedenkens“. Gesamte Parkanlage soll überarbeitet werden.

Wattenscheid..  Fakt scheint zunächst einmal: Das Ehrenmal am Bußmanns Weg ist ein Sanierungsfall. Ein Sturm zerstörte eine Säulenreihe samt Holzdach vollständig, auch sonst befindet sich die Anlage in einem desaströsen Zustand. Genauso klar ist aber auch: Das Bauwerk hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich, wurde von den Nationalsozialisten am 4. August 1934 eingeweiht. Daher fordert die Grüne Jugend nun, „das faschistische Denkmal nicht wiederaufzubauen, sondern einen Ort des antifaschistischen Gedenkens daraus zu machen“.

Wie die Grüne Jugend weiter mitteilt, sei es „ein Unding, dass ein NS-Relikt bislang mitten in Wattenscheid Bestand hatte und somit auch ein Ort faschistischen Gedankenguts bereit gestellt wurde“. Mehrfach sei die rechte Szene noch in jüngster Vergangenheit am Ehrenmal zusammengekommen, für die Grüne Jugend ein unhaltbarer Zustand. Sie fordert Bezirksvertretung und Stadt zum Handeln auf.

Heinz-Werner Kessler vom Heimat- und Bürgerverein (HBV) kann die Bedenken der Grünen Jugend teilen. Die gesamte Parkanlage sei von den Nationalsozialisten konzipiert worden, am Ehrenmal habe es zahlreiche Aufmärsche gegeben, Redner hätten damals auf der Ehrenhalle gesprochen. Das Kriegerdenkmal vom Adolf-Hitler-Platz, dem heutigen August-Bebel-Platz, sei extra versetzt worden, um mit dem damals neuen Ehrenmal eine symbolische Einheit zu bilden. „Dieser Park hat damit den ,schönen Schein’ der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft besonders verdeutlicht“, sagt Kessler.

Gerade deswegen plädiert er dafür, das Bauwerk nicht abzureißen, sondern didaktisch einzuordnen. „Das Ehrenmal durfte bislang unkommentiert wirken. Auf Schautafeln sollte indes auf die Bedeutung in damaliger und heutiger Zeit hingewiesen werden.“

Wie die Stadt mitteilt, soll die Grünanlage in Gänze im Rahmen des „Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes für Wattenscheid“ überarbeitet werden. Die Fördergelder dafür fließen 2016. Das Ehrenmal soll dabei nicht „wieder aufgebaut“, sondern baulich gesichert werden.

„Vor dem historischen Hintergrund muss es sicherlich eine andere Ausrichtung für das Mahnmal geben. Es soll dort künftig aller Opfer von Krieg und Gewalt gedacht werden“, kündigt Stadtsprecherin Tanja Wißing an.

Als Gesamtdenkmal ausgewiesen, sei die Zustimmung der Denkmalschutzbehörde einzuholen. Mit der abzustimmenden Planung kann es losgehen, sobald die Fördergelder von der Bezirksregierung Arnsberg freigegeben werden. Das NRW-Städtebauministerium hatte die Planung, so das Stadtplanungsamt, in seine Landesförderung aufgenommen; auch der städtische Eigenanteil wird ab 2016 im Bochumer Haushalt bereitgestellt werden.

„Bisher gibt es für die Überarbeitung des Ehrenmals samt Park nur eine interne Kostenschätzung. Das Umwelt- und Grünflächenamt hat eine erste gartendenkmalpflegerische Expertise gefertigt; diesen Entwurf will es nun zeitnah detaillierter ausarbeiten und im Haus wie in den politischen Gremien abstimmen“, schildert Wißing. Als Vorlage geht die fertige Expertise dann in den Bezirk und die Fachausschüsse zur Beratung und Abstimmung.

 
 

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