„Die Gastronomie war unser Leben“

Abschied nimmt die Familie Fey heute von ihrem Bürgerkrug an der Hochstraße.Foto:Klaus Pollkläsener
Abschied nimmt die Familie Fey heute von ihrem Bürgerkrug an der Hochstraße.Foto:Klaus Pollkläsener
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Familie Fey nimmt – nach 43 Jahren – Abschied von ihrem Bürgerkrug. Doch ist für Nachfolge gesorgt. Köchin Waltraud steht anfangs mit Tipps zur Seite

Wattenscheid..  Frazier bezwingt Ali, Morrison erreicht die andere Seite und Honecker die politische Spitze der DDR. In einer kreisfreien Stadt gründet sich 1971 der TV Wattenscheid 01 Leichtathletik e.V. und Waltraud und Ewald Fey übernehmen den Bürgerkrug an der Hochstraße 53. 43 Jahre, unzählige Festivitäten und Lokalrunden später, lädt das Ehepaar nun ein letztes Mal in ihren Bürgerkrug ein.

Am heutigen Samstag feiern die Traditionswirte Abschied und den Beginn eines neuen Lebens im wohlverdienten Ruhestand zugleich. „Unsere Zeit hier war ein einziges Highlight, sonst wären wir nicht so lange geblieben“; resümiert Waltraud Fey. Für sie ein großes Anliegen: „Wir möchten uns ausdrücklich für die Treue unserer Gäste bedanken. Einige kommen bereits seit über 50 Jahren zu uns.“

Vorher führte das Ehepaar acht Jahre lang Haus Werring an der Westenfelder Straße. „Es war unser Sprungbrett. Als wir hörten, der Bürgerkrug suche neue Pächter, haben wir sofort den Eigentümer angesprochen“, erinnert sich die Wirtin und Köchin an den Start. Zusammen mit ihrem Mann Ewald brachte sie den Bürgerkrug auf Vordermann und endlich Kontinuität in die Lokalität.

Ständige Pächterwechsel gehörten der Vergangenheit an, die Wattenscheider hatten ihre gut bürgerliche Stube und Küche gefunden – und sie blieben bis heute. „Wir sind mit unseren Gästen alt geworden, mussten leider auch einige zu Grabe tragen, wie es in einer großen Familie vorkommt.“ Durch das Rauchverbot sei außerdem ein bisschen die Gemütlichkeit weggefallen, doch die Stammkunden ließen sich auch davon nicht beirren.

Waltraud (73) und Ewald (78) erinnern sich lebhaft an die unzähligen Gesellschaften und Feierlichkeiten: „Früher waren alle hier, ob Oberbürgermeister oder Wattenscheids Geschäftsleute. Es hat unglaublichen Spaß gemacht.“ Auch Sohn Jörg (50) ist seit langem in der Traditionsgaststätte tätig, steht immer zur Seite.

Familiencharakter auf allen Ebenen. Da wundert es auch nicht, dass die Zeit im Ruhestand noch etwas ungewiss anmutet: „Erstmal müssen wir jetzt ein wenig herunter kommen. Zeit für Hobbys gab es in all den Jahren nicht. Die Gastronomie war unser Leben, das Haus nur zum Schlafen da.“

Ihren Bürgerkrug lassen die Feys natürlich nicht im Stich, die Nachfolge ist bereits geregelt: „Wir haben ein nettes Ehepaar aus der Stadt gefunden, die den Stil genauso weiterführen möchten.“ Ehrensache, dass Köchin Waltraud anfangs mit Tipps zur Seite stehen und Rezepte und Gerichte weitergeben möchte.

Kein Zweifel, die beiden werden das schon machen und die Gäste möchten auch weiterhin kommen. Auch wenn ihr letztes Mahl die Küche des Bürgerkruges heute verlassen wird: So ganz geht man eben doch nie.

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