Denkmal verfällt weiter

Stark sanierungsbedürftig ist das denkmalgeschützte Fachwerkhaus an der Gertrudisstraße 20
Stark sanierungsbedürftig ist das denkmalgeschützte Fachwerkhaus an der Gertrudisstraße 20
Foto: WAZ FotoPool

Wattenscheid..  Es steht nicht gut um das denkmalgeschützte Haus Gertrudisstraße 20, das weiter verfällt. Der Eigentümer möchte es abreißen lassen und in den Neubau einige wenige intakte Teile einarbeiten.

„In welcher Weise können und werden die Denkmalbehörden Einfluss nehmen, das Haus vor dem endgültigen Verfall zu sichern“, fragt Klaus-Peter Hülder (UWG) nach. Die Stadtverwaltung legt im Kulturausschuss am 22. November eine Stellungnahme auf die Anfrage vor.

Beim Zwangsversteigerungsverfahren am 16. Januar 2013 wurde - wie berichtet - Hans Georg Eschrig für 23 500 Euro neuer Eigentümer des Hauses und 474-qm-Grundstücks in Citylage. Die Stadt erteilte ihm im Juni die denkmalrechtliche Erlaubnis für die ersten Notstandsarbeiten am Gebäude mit der Aufforderung, ein Sanierungskonzept mit einer gutachterlichen Schadenskartierung anfertigen zu lassen, um das Gebäude komplett zu sanieren und wieder instand zu setzen.

Der Eigentümer habe zugesichert, unverzüglich nach Erhalt der denkmalrechtlichen Erlaubnis mit den Notstandsarbeiten zu beginnen und die notwendigen Gutachten zu beauftragen.

„Da bis August die dringend notwendigen Arbeiten noch nicht begonnen wurden, wurde der Eigentümer mit Ordnungsverfügung vom 16. August aufgefordert, die fachgerechte Absicherung des Gebäudes gegen Witterungseinflüsse und die notwendigen Notstandsarbeiten vorzunehmen sowie die noch fehlende gutachterliche Schadenskartierung zu beauftragen“, heißt es weiter in der Mitteilung der Denkmalschutzbehörde. Der Eigentümer habe erneut zugesichert, dieses unverzüglich zu beauftragen.

Am 11. September stellte der Rechtsanwalt des Eigentümers einen Abbruch- und Löschungsantrag bei der Unteren Denkmalbehörde für das Haus (1629 erbaut) und reichte eine Klage ein gegen die Ordnungsverfügung vom 16. August. Eschrig erklärt, dass das Gebäude zu marode sei und in seinem Kostenrahmen nicht zu sanieren sei; es sei einsturzgefährdet.

„Der Löschungsantrag wird in Zusammenarbeit mit dem LWL geprüft. Erst bei Vorliegen von Löschungsvoraussetzungen kann ein Gebäude aus der Denkmalliste gestrichen werden. Erst danach wird über den Abbruchantrag entschieden“, so die Denkmalschutzbehörde. „Letztendlich ist der Erfolg des Schutzes eines Denkmals vor dem Verfall auch vom Verhalten des Eigentümers abhängig.“ Die wesentliche Aufgabe der bei der Stadt Bochum angesiedelten Unteren Denkmalbehörde ist es, im Rahmen ihrer gesetzlichen Möglichkeiten Baudenkmäler zu schützen und gegebenenfalls mit ordnungsbehördlichen Verfügungen der gesetzlichen Erhaltungspflicht des Eigentümers Nachdruck zu verleihen.

Auch UWG-Bezirksvertreter Heinz-Werner Linke beklagt, dass der neue Eigentümer nichts für den Erhalt des alten Hauses tue. Es sei dringend nötig, das Gebäude trocken zu halten. „Aber man muss etwas dafür tun. Doch es ist nichts zur Sicherung dieses Denkmals passiert.“ Die Dichtungsfolie sei so schlecht verspannt, dass Regenwasser durchs Dach eindringe, die Dachrinne sei entfernt worden. Linke meint: „Abbrechen, Neubau erstellen und möglichst viel Geld damit verdienen, das war schon immer sein Plan.“

 
 

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