Denkmal-Haus wird abgerissen

Abriss an der Gertrudisstraße 20
Abriss an der Gertrudisstraße 20
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv

Wattenscheid.  Das historische Gebäude an der Gertrudisstraße 20 in der Innenstadt wird derzeit abgerissen. Seit Jahren war das denkmalgeschützte Fachwerkhaus, 1629 erbaut, dem Verfall preisgegeben, es drohte zum Schluss Einsturzgefahr.

„Abbruch des Denkmals genehmigt“, titelte die WAZ vor einem Jahr. Damit war ein langes Tauziehen zwischen dem Hausbesitzer, der abreißen und neu bauen wollte, und der Denkmalschutzbehörde, die zunächst auf einer Sanierung bestand, beendet.

Abwägungsprozess

Die Stadt erklärte damals, „die Denkmalbehörden mussten – nach einem Abwägungsprozess – dem Abbruch zustimmen. Gewöhnlich prüfen wir in solchen Fälle auch ordnungsrechtliche Maßnahmen. Der durch die mangelnde Bauunterhaltung bereits geschädigte bauliche Zustand des Gebäudes hat sich durch die Entfernung der historischen Dachkonstruktion aus dem 17./18. Jahrhundert und der damit verbundenen Freilegung des Mauerwerkes und der Böden deutlich verschlechtert. Die Denkmalbehörden (Stadt und LWL) haben im laufenden Klageverfahren das Gebäude begutachtet und festgestellt, dass bei einer denkmalgerechten Sanierung historische Bausubstanz in einem so hohen Maß ausgetauscht werden müsste, dass damit die Denkmaleigenschaft verloren ginge“.

Bei einer Zwangsversteigerung hatte der jetzige Besitzer das denkmalgeschützte Haus samt 474-Quadratmeter-Grundstück in Citylage für 23 500 Euro im Januar 2013 erworben. Er habe zwar versucht, das Gebäude zu sanieren, doch angesichts des schlechten Zustandes, der Auflagen und seines gesteckten Finanzrahmens sei das nicht möglich gewesen.

Klaus-Peter Hülder (UWG) meinte dazu: „Die örtliche Politik und die an Denkmalschutz und Stadtgeschichte interessierte Öffentlichkeit muss zuschauen, wie ein für Wattenscheid und die Region wichtiges Gebäude durch verantwortungsloses Handeln bzw. bewusst unterlassene Maßnahmen zum Erhalt des Gebäudes zerstört wird.“ Damit erleide das Wattenscheider Stadtbild großen Schaden. Man müsse offenbar nur lange genug warten, um sich aus der Verantwortung für ein Denkmal stehlen zu können. Mit der Abrissgenehmigung sei auch der Gedanke des Denkmalschutzes schwer beschädigt. Man müsse dem Denkmalschutz jenen besonderen Rang verschaffen, „der für Stadtbild und Stadtgeschichte unverzichtbar ist“.

Auch der Heimat- und Bürgervereins Wattenscheid (HBV) war „entsetzt zu sehen, was da passiert“. Das Haus sei ein altes Stück Geschichte, das hätte gesichert werden müssen. Man müsse sensibel mit solchen Denkmälern umgehen, so Vorsitzender Heinz-Werner Kessler.

 
 

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