Den letzten Weg gemeinsam gehen

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Wattenscheid..  Die Angst, den letzten Weg des Lebens allein gehen zu müssen, ist groß. Größer sogar, als die Furcht vor dem Tod. Viele Menschen glauben und hoffen, dass sich jemand um sie kümmert, wenn sie krank sind, setzen auf die Hilfe ihrer Angehörigen in den eigenen vier Wänden und wollen auch zu Hause sterben. Doch was ist, wenn es tatsächlich ernst wird, wenn sich Ehepartner oder Kinder im Angesicht des Todes überlastet fühlen? Wer ist für Betroffene da, wenn es gar keine nahen Verwandten mehr gibt? „Wir betreuen im Rahmen des Palliativnetzes 1500 Patienten. Viele davon haben Angst vor dem Alleinsein in der letzen Phase, da ist der Hospizverein ein großer Eckstein“, schildert Facharzt Klaus Blum.

Der Allgemein- und Palliativmediziner kennt die Probleme seiner Patienten. Hausärzte sind die erste Anlaufstelle, wissen, dass ältere Menschen so lange wie möglich zu Hause bleiben und doch niemandem zur Last fallen wollen. Nur: Auch Ärzten fehlen die nötigen Ressourcen für eine umfassende Beratung und Betreuung.

Faktor Zeit ist wichtig

„Wir haben dagegen einen großen Vorteil: den Faktor Zeit“, erklärt Christel Müller-Ovelhey, die den ambulanten Hospizdienst Wattenscheid gemeinsam mit Bruni Duffner koordiniert. Zunächst sei es oftmals der Anruf des Palliativmediziners, der die Einrichtung aktiv werden lässt. Dann beginnt die eigentliche Arbeit der geschulten, ehrenamtlichen Betreuer. Mit zwei Fragen: Was ist die größte Sorge? Was ist der größte Wunsch des Patienten? Die Antworten fallen unterschiedlich aus: „Manchmal möchten die Menschen, weil sie ihre Angehörigen nicht belasten wollen, ihre Sorgen und Nöte mit den Ehrenamtlichen teilen. Wobei dabei erst nach und nach ein Vertrauensverhältnis wächst. Teilweise wünschen sie sich aber auch nur noch einen letzten Besuch auf dem Markt“, erklärt Müller-Ovelhey.

Die ehrenamtlichen Betreuer entwickeln Fingerspitzengefühl dafür, wie sie mit den Menschen zwischen Leben und Tod, ihren Familien und ihren Bedürfnissen umgehen. Dadurch soll nicht nur die Lebensqualität der Patienten steigen. Auch die Verwandten sollen einmal durchatmen können. Und dabei Dinge erledigen, Besorgungen machen, oder wieder in den Sportverein gehen, dem man schon 30 Jahre angehört hatte, für den es aber zuletzt keine Zeit mehr gab.

Es sind dann kleine Lichtblicke in sonst dunklen Phasen, die ehrenamtliche Hospizdienstlerinnen wie Monika Hofmann oder Christa Schult schenken. Auch, wenn am Ende immer ein Abschied steht: „Natürlich sind wir traurig. Aber häufig ist der Tod eher eine Erlösung“, tragen sie Fassung. Und das gehört dazu. „Was ist unser Ziel? Wir wollen die Menschen nicht vor dem Tod bewahren. Wir wollen sie auf ihrem letzten Weg begleiten“, betont Bruni Duffner.

Leben und Tod verbinden

„Der Tod ist kein Feind, sondern Freund. Für mich lebt der Mensch nur in einer anderen Dimension weiter“, beschreibt Monika Hofmann ihr Verständnis von Leben und Tod. In diese Richtung tendieren auch die Leitmotive des Hospizvereins Wattenscheid: „Der Hospizverein verfolgt das Ziel, Geburt und Tod, Leben und Sterben als untrennbar miteinander verbunden in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu tragen. Dazu verfolgt er den Zweck, Sterbenden durch menschliche Zuwendung beizustehen, sie zu begleiten, ihre Angehörigen in diese Hilfe einzubeziehen und sie in ihrer Trauer zu begleiten“, heißt es in der Satzung.

42 Ehrenamtliche engagieren sich zurzeit in der Sterbebegleitung. Es entstehen rund 100 Erstkontakte pro Jahr, die jedoch nicht immer zu einer Betreuung führen – teils reichen allgemeine Hilfestellungen zu Beginn aus. Bei einer festen Zusammenarbeit entscheiden die Hospizdienstler – darunter sind auch Männer – wie viel Zeit sie mit dem Patienten in Abhängigkeit seiner Verfassung verbringen. Wichtig ist dabei, den Ehrenamtlichen einen Ausgleich zu dieser Tätigkeit zu bieten. Dazu gehören Veranstaltungen im Haus An der Papenburg 9 und Ausflüge.

Der Verein lebt finanziell von aktuell 371 Mitgliedern und Spenden. Einen Träger gibt es nicht.

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