Das Leben ist ein Ponyhof

Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool

Wattenscheid.. Im Vergleich zu Noah, der 120 Jahre gebraucht haben soll, um seine Arche seetauglich zu machen, hat die Familie Jericho ein wahres Rekordtempo hingelegt: Vor sieben Jahren startete das Arche-Projekt in Leithe, 13 500 Quadratmeter Stallbereich und Weideland wurden seitdem von Mutter Karin mit ihren beiden Töchtern Monika und Sabrina zu einem kleinen Idyll für Tiere umgestaltet. Und die Flut von Neuzugängen reißt nicht ab: Fünf Ponys, drei Pferde, fünf Ziegen, eine Gans, zwei Enten, fünf Hühner, drei Katzen, zwei Hunde sowie Meerschweinchen und sogar zahme Raben leben inzwischen mit- und nebeneinander auf der „Arche Jericho“. Jetzt planen die zweibeinigen Tierliebhaber den Ausbau von heilpädagogisch-sozialen Angeboten und suchen dringend Projektpartner.

Gerade behinderte oder benachteiligte Kinder will Karin Jericho ansprechen. „Viele haben kaum Selbstbewusstsein, werden in der Schule gemobbt. Die Tiere sind jedoch ehrlich, kennen keine Hinterlist und behandeln alle gleich“, schildert die 49-Jährige. Schon oft hat sie erlebt, wie sich sonst eher schüchterne und introvertierte Kinder in Anbetracht der Vierbeiner öffneten. Ist die erste Hemmschwelle einmal überwunden, wachsen diese Jugendlichen sogar über sich hinaus. „Wichtig ist uns außerdem, dass Kinder ganz allgemein wieder mit Tieren in Kontakt kommen und eine Ziege nicht mehr nur aus dem Fernsehen kennen.“

Programm wird individuell gestaltet

Auch Altenheime sind neben Schulen, Kindergärten und sozialen Institutionen eingeladen, die Arche zu besuchen. „Wir können Termine vereinbaren und dann ein jeweils dazugehöriges, individuelles Programm gestalten“, verspricht Sabrina Jericho auf jeden Gast konzeptionell einzugehen. Vieles sei möglich, egal ob Ponyreiten oder ein Spaziergang querfeldein mit den Ziegen. Die 20-Jährige hilft zur Zeit nebenbei auf dem „Mensch-Tier-Begegnungshof“ am Tippelsberg in Bochum aus, will Heilpädagogik an der Evangelischen Fachhochschule studieren und weiß daher, wovon sie spricht. Ein kommerzielles Angebot ist die Arche aber nicht: „Es wäre nur schön, wenn sich die Tiere ihr eigenes Geld verdienen könnten“, sagt Sabrina. Soll heißen: Eine kleine Spende ist gern gesehen und fließt zum Beispiel in die Anschaffung von Futter. „Wir nehmen ebenso Materialspenden an, Patenschaften für einzelne Tiere sind möglich. Nur Kartoffeln oder Brot einfach über den Zaun zu schmeißen, wie es schon vorgekommen ist, geht gar nicht“, bittet Karin Jericho die „anonymen Spender“, ihre Gaben zu unterlassen.

Ehrenamtliche Helfer gesucht

Da die Jerichos ihr kleines Tier-Paradies komplett in Eigenregie führen, würden sie sich auch über ehrenamtliche Helfer freuen. „Ich bin sieben Tage in der Woche vor Ort, immer für mindestens vier Stunden. Urlaub kann man vergessen“, beschreibt Karin den Alltag. Wer gut mit Tieren kann, ein bisschen handwerkliches Geschick mitbringt, ist also herzlich willkommen.

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