Café als Treffpunkt zum Austausch

Timo Gilke
V. l. n. r.: Ursula Piwellek (51), Initiatorin des neuen Angehörigencafés im Marien-Hospital Wattenscheid, zeigt Annette Kipp (72) die richtige Technik, um Ehemann Wilhelm Kipp (84) vom Bett in den Rollstuhl zu setzen.
V. l. n. r.: Ursula Piwellek (51), Initiatorin des neuen Angehörigencafés im Marien-Hospital Wattenscheid, zeigt Annette Kipp (72) die richtige Technik, um Ehemann Wilhelm Kipp (84) vom Bett in den Rollstuhl zu setzen.
Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool

Häusliche Pflege von Hilfsbedürftigen ist keine Seltenheit. Mehr als eine Millionen Menschen in Deutschland werden ausschließlich durch Angehörige versorgt. Um diesen Hilfen bei der täglichen Arbeit bieten zu können, erweitert das Marien-Hospital Wattenscheid ab dem 30. Januar die Betreuung und Schulung. Zwölfstündige Initialpflegekurse zur Vorbereitung, in denen die richtigen Pflegetechniken und Infos zum Umgang mit Demenzkranken noch vor Ort vermittelt werden, sind schon länger Bestandteil des Programms.

Fachvorträge und Schulungen

Nun wird zusätzlich die Möglichkeit geboten, sich einmal im Monat im Angehörigencafé mit Gleichgesinnten auszutauschen. Zielgruppenrelevante Fachvorträge von Referenten gehören ebenfalls zum festen Ablauf der zweistündigen Treffen. Ursula Piwellek leitet zusammen mit ihrer Kollegin Rita Hennecke das Café: „Die Idee reifte nach den letzten Initialkursen. Angehörige haben den Wunsch geäußert, sich bei regelmäßigen Veranstaltungen austauschen zu können.“ Die Teilnehmer treffen sich jeweils am letzten Mittwoch eines Monats in einem separaten Schulungsraum zwischen 17 und 19 Uhr. „Die Teilnahme ist kostenlos und wir gehen natürlich auf Wünsche und Fragen der Angehörigen ein,“ so Piwellek weiter. Gleichzeitig beobachten die Kursleiterinnen genau, schauen wo Schulungsbedarf besteht und gestalten die Treffen so möglichst aktuell und flexibel. Bereits jetzt hat sich eine Gruppe von sechs Angehörigen gefunden, die im vergangenen Jahr die Pflegekurse des Hauses besucht haben.

Das Projekt wurde 2004 an der Universität Bielefeld gestartet, seit 2007 läuft die Kooperation mit dem Marien-Hospital. Die Ausweitung des Angebots ist nur folgerichtig. Ursula Piwellek berichtet: „Seit 2009 bieten wir aufsuchende Pflegetrainings in der häuslichen Umgebung an.“ Ehemalige Patienten werden sechs Wochen nach ihrer Entlassung besucht. „Diese Qualitätschecks sind wichtig, da sich zu Hause eine andere und zumeist schwierigere Pflegesituation ergibt“, weiß Thomas Drathen, Geschäftsführer des Marien-Hospitals. Ein weiteres Problem sei die deutlich kürzere Verweildauer im Krankenhaus durch die 2003 eingeführten Fallpauschalen: Die Pflege habe sich so mehr ins häusliche Umfeld verlagert. Dies dürfe sich allerdings nicht negativ auf den Heilungsprozess auswirken. Um den sogenannten „Drehtüreffekt“ zu vermeiden, bei dem kürzlich entlassene Patienten erneut ins Krankenhaus eingewiesen werden müssen, soll das Angehörigencafé einen erfolgreichen Beitrag leisten.