Bratwurst als TV-Botschafter

Ein russisches Filmteam dreht für das Deutschland-Russland-Jahr bei Thiers: Thema „Stadion-Bratwurst“.Fotos:Gero Helm
Ein russisches Filmteam dreht für das Deutschland-Russland-Jahr bei Thiers: Thema „Stadion-Bratwurst“.Fotos:Gero Helm
Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool

Gespannte Konzentration und volle Gänge: Die Fleisch- und Wurstwaren GmbH & Co KG Thiers wurde am Freitag zum Filmset. Ein russisches Filmteam, rund um den Starmoderator Vladimir Pozner, drehte gestern, im Zuge des Deutschlandjahres in Russland, einen der letzten Teile ihrer Doku-Reihe über Deutschland.

Oliver Thiers, geschäftsführender Gesellschafter, ist begehrt an diesem Morgen: Gäste empfangen, Ware kontrollieren und nebenbei ein TV-Interview: „Etwas nervös bin ich schon“, gibt er offen zu. Dass es für den Russland-Fan eine besondere Ehre ist, ist unverkennbar. Nach dem rund einstündigen Interview wirkt der 45-Jährige erleichtert und begeistert: „Sehr interessant und spontan. Es ging um Politik, Krieg, unsere Produkte und meine Verbindung zu Russland.“

In weißen Overalls, Haarnetzen und Schutzhüllen für die Schuhe geht es anschließend in die laufende Produktion. Sebastian Skomroch, zuständig für die Qualitätssicherung, achtet darauf, dass alles den Vorschriften entspricht.

Von Klischees befreien

Während Wasserdampf die Halle einhüllt und rauchiger Duft aus den Öfen strömt, erklärt Thiers Moderator Pozner die Spezialitäten des Hauses: Im Zentrum natürlich die „wohl beste Stadionwurst Deutschlands“, einer der Gründe für den gestrigen Besuch.

„Zweck unseres Films ist es, den Russen Deutschland näher zu bringen“, berichtet Pozner. Der 78-Jährige gilt in seiner Heimat als eine Art „russischer Larry King“. Seit Juni ist er mit dem Produktionsteam in ganz Deutschland unterwegs, auch, „um von Klischees zu befreien. Am meisten beeindruckt mich die Ehrlichkeit der Deutschen. Bei Produktionen in anderen Ländern weichen die Leute meinen Fragen oftmals aus. Hier bekommt man immer direkte Antworten“, beschreibt er das Besondere des Drehs. Die Ausstrahlung in Russland ist für Sommer oder Herbst geplant. Ob die achtteilige Doku-Reihe auch in Deutschland laufen wird, ist noch nicht klar.

Nach zweieinhalb Stunden ist alles im Kasten. Pozner lockert die Atmosphäre mit einem „typisch russischen Witz“ auf und sorgt für Gelächter. Der Lohn für die Arbeit folgt prompt: Thiers und sein Team tischen reichlich ofenfrische Ware auf. Die Bratwurst vom Grill darf dabei nicht fehlen. In Russland greife man zwar im Fußballstadion eher zu Chips und Hot-Dogs. Aber wie in Deutschland auch „zu jeder Menge Bier“, scherzt ein Crew-Mitglied.

Die zweite Runde des Deutschlandjahres in Russland verlagert sich 2013 in die Weite des Landes. Ein gemeinsames Konzert der Osnabrücker und Wolgograder Symphonieorchester erinnert am 3. Februar an das Ende der Schlacht um Stalingrad vor 70 Jahren. Das Schauspielhaus Bochum schlägt mit seiner Tanztheaterkompanie „Renegade“ in Russland den Bogen zur deutschen Gegenwartskultur und präsentiert das Stück „Irgendwo“. Auch der Fußball kommt nicht zu kurz: Unter dem Motto „Balls – Two Nations, One Passion“ informieren interaktive Module über die bevorstehende Weltmeisterschaft in Russland 2018 und nehmen die Besucher mit auf eine Zeitreise zum Sommermärchen 2006. Die bisherige Resonanz der russischen Bevölkerung sei äußerst positiv, teilt das Goethe-Institut Moskau mit. Der Abschluss der Veranstaltungsreihe am 19. Juni markiert gleichzeitig den 20. Geburtstag des Instituts. Die nächste Kooperation findet 2013/14 mit Brasilien statt. Weitere Infos online: www.germanyinrussia.ru

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